Noch liegen große Teile des früheren Singer- und Veritas-Nähmaschinenwerks in Wittenberge im Dornröschenschlaf. Doch die Arbeiten am Haus 13, dem ehemaligen Hauptgebäude, sind seit Anfang dieses Jahres bereits im Gange. Hier soll bis zur Landesgartenschau (Laga) 2027 ein Hotel- und Bürokomplex mit Gastronomie und Ausstellungsfläche entstehen. Brandenburgs neuer Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) zeigte sich am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Besuch „total beeindruckt“ von den Plänen der Investorengesellschaft BKLV Management aus Berlin.
Pläne für ein „Singer-Hotel“
„Es ist sehr schön, dass sich hier etwas tut“, sagte Crumbach im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Projekt zeige, wie vielfältig Brandenburg sei. „Es lohnt sich, alte Schätze neu zu entdecken.“ 136 Suiten, teilweise sogar für Familien bis vier Personen, soll es in dem neuen „Singer Hotel“ geben, das - wenn alles gut geht - zur Eröffnung der Laga im April kommenden Jahres an den Start gehen soll. Vorgesehen sind ein Spa-Bereich im Keller sowie ein Café und Ausstellungsräume im Erdgeschoss des 1907 erbauten Industriedenkmals.
Im ersten Stock sollen Coworking-Spaces entstehen, doch auch Büroflächen für Unternehmen als Dauermieter. Das zweite Obergeschoss wird nach den Plänen des Investors eine Künstlerresidenz und ein weiteres Café beherbergen, während das dritte bis fünfte Obergeschoss zu einem Hotel umgebaut werden sollen. Auf dem Dach, das eine grandiose Aussicht über die Stadt und die Elbtalaue bietet, sollen die Wittenberger und ihre Gäste künftig ein Restaurant nebst Bar besuchen können.
Altes soll bewahrt werden
Dabei zeugt der riesige „Veritas“-Schriftzug von der reichen Vergangenheit dieses Standorts. 1904 begann die US-amerikanische Firma Singer hier mit der Herstellung von Nähmaschinen. Zu Spitzenzeiten waren hier rund 3200 Menschen beschäftigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk demontiert und unter dem Namen Veritas als „Volkseigener Betrieb“ neu aufgebaut. Mit der Wende endete die Produktion im Dezember 1991. Besonders der 1928/29 erbaute Uhrenturm, einer der größten in Europa, ist bis heute ein Wahrzeichen der Stadt.
Architektin Andra Schumann erklärte bei einem Rundgang mit dem Minister, wie die Planer bewusst diese lange Tradition bewahren wollen. Möglichst viel Altes soll in den ehemaligen Werkshallen erhalten bleiben. Das gelte auch für alte Kräne oder Schalttafeln, die nicht denkmalgeschützt sind. Mit dem Bau habe die Firma Singer Maßstäbe gesetzt: Das Gebäude wurde als Eisenbeton-Skelettbau errichtet - damals eine revolutionäre Bauweise.
Ein ganzes Quartier entsteht
Auf dem insgesamt 16 Hektar großen Gelände mit rund 100.000 Quadratmeter Nutzfläche soll in den kommenden Jahren ein Quartier entstehen, das Arbeit, Kultur, Wohnen und Erleben vereinen soll. Das „Urbanotop“ wird den Plänen zufolge unter anderem Hotels, Gastronomie, Büros, Kultur- und Ausstellungsflächen und ein Sportzentrum umfassen. Rund 250.000 Millionen Euro will BKLV hierfür investieren. Laut Architektin sind auch Tiny-Häuser direkt am Ufer der Stepenitz geplant.
Und die Investoren wollen auch ökologisch Maßstäbe setzen: So soll das Gelände eigenen Strom und Wärme durch erneuerbare Energien produzieren und damit so weit wie möglich energieautark sein. „Das Areal wird keine Konkurrenz zur Stadt sein, sondern ein weiteres Zugpferd für Wittenberge“, versprach Schumann. Ein Ansatz, den auch Minister Crumbach lobte: „Davon profitiert die ganze Stadt.“



