Zugezogener aus München erlebt Ost-West-Klischees in der Uckermark
Robert Auer, gebürtig aus München, lebt seit einem Jahr in den neuen Bundesländern und hat in dieser Zeit deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen Ost und West erlebt. Der Zugezogene berichtet von verschiedenen Reaktionen, die er von älteren Jahrgängen erhalten hat, während jüngere Menschen weniger mit solchen Klischees operieren.
Rauer Ton und abgelehntes 'Wessi-Gehalt'
Bei einem Bewerbungsgespräch wurde Robert Auer sogar direkt mit Ost-West-Vorurteilen konfrontiert. „Man sagte mir, ich hätte nicht herziehen sollen und ich könne mir mein 'Wessi-Gehalt' abschminken“, erzählt er. Von dieser Firma habe er anschließend nie wieder etwas gehört. Diese Erfahrung hat ihn schockiert, da er selbst im Glauben aufgewachsen ist, dass es nur ein Deutschland und ein deutsches Volk gibt.
Die Reaktionen auf seine Herkunft variieren deutlich: „Von den höflicheren Leuten wurde ich nur als Zugezogener bezeichnet, von anderen aber durchaus als 'Wessi' – mit allerlei negativen Assoziationen“, so Auer. Diese Erfahrungen macht er hauptsächlich bei Menschen über 50, während jüngere Generationen unter 40 solche Unterscheidungen kaum thematisieren.
Generationenunterschiede in der Wahrnehmung
Robert Auer stellt fest, dass die Teilung in Ost und West nicht von allen getragen wird. „Ich möchte darum behaupten, dass diese Teilung eher die Sicht der älteren Generationen widerspiegelt“, erklärt er. Mit seiner Freundin, einer gebürtigen Harzerin, teilt er diese Beobachtung. Beide sind Millennials und erleben bei vielen Menschen ihrer Generation ähnliche Einstellungen.
„Das finde ich gut, richtig, wichtig und erwähnenswert“, betont Auer. Weder er noch seine Freundin teilen die tiefgreifenden Differenzen in der Sichtweise, wie sie in vielen Medienberichten und Leserzuschriften beschrieben werden. Stattdessen erleben sie bei Gleichaltrigen eine überwiegend einheitliche deutsche Identität.
Kulinarische Unterschiede und sprachliche Missverständnisse
Auch im Alltag zeigen sich Unterschiede zwischen den Regionen. Robert Auer kann sich mit einigen kulinarischen Spezialitäten aus dem Osten nicht anfreunden. „Die DDR-Tomatensoße schmeckt mir nicht, die hier in Dosen verkauft wird und genauso sein soll wie die Soße, die früher in Schulkantinen serviert wurde“, gesteht er. Auch das Jägerschnitzel, das er als „einfach nur panierte Jagdwurst“ beschreibt, findet keinen Anklang bei ihm.
Umgekehrt mag seine Freundin seine geliebten Weißwürste mit süßem Senf nicht. Ein amüsantes Missverständnis gab es bei der „Eierkuchen/Pfannkuchenproblematik“, wie Auer es nennt. „Es hat etwas gedauert, bis wir verstanden haben, dass wir vom gleichen Gericht sprechen“, erinnert er sich schmunzelnd.
Diese kleinen kulinarischen und sprachlichen Unterschiede zeigen, dass trotz der politischen Wiedervereinigung noch immer regionale Besonderheiten existieren. Doch für Robert Auer und seine Generation stehen diese nicht im Vordergrund. Stattdessen betonen sie das Gemeinsame und die überregionale deutsche Identität, die jenseits alter Ost-West-Schemata existiert.



