Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt historischer Steganlagen in Brandenburg
Ein tragischer Unfall im Juli 2025 am Menkiner See in der Uckermark führte zu einer kontroversen Entscheidung: Die seit den 1960er Jahren bestehende Steganlage wurde trotz Bürgerprotesten abgerissen. Der verunglückte Mann erlitt dabei eine Querschnittslähmung, ein Schicksal, das die gesamte Region bewegt. Doch die Reaktion der Amtsdirektorin Annett Hartwig, die aus haftungsrechtlichen Gründen den kompletten Abriss anordnete, stößt bei den Anwohnern bis heute auf Unverständnis.
Landesweite Petition fordert politisches Handeln
Aus dieser Situation heraus entstand die landesweite Petition „Rettet Brandenburgs Stege!“, die noch bis zum 16. Juni 2026 läuft. Initiiert wurde sie von Erich Heinze, dem stellvertretenden Ortsvorsteher von Wollschow-Menkin, gemeinsam mit fünf weiteren Bürgern aus dem Brüssower Amtsbereich. Die Petition richtet sich direkt an die Landesregierung in Potsdam und fordert konkrete Maßnahmen gegen weitere Abrisse sowie praktikable Lösungen für den Erhalt bestehender und den vereinfachten Neubau von Steganlagen.
„Es war ein dramatischer Unfall, aber die Ursache war nicht das Vorhandensein der Steganlage“, stellt Erich Heinze klar. „Will man Straßen sperren oder Häuser nicht höher als zwei Meter bauen, um Unfälle auszuschließen?“ Die Initiatoren sehen in der aktuellen Situation eine grundsätzliche Gefahr für die Bade- und Freizeitkultur in ganz Brandenburg.
Kulturelle Bedeutung und praktischer Nutzen
Die historischen Steganlagen haben in Brandenburg eine lange Tradition und werden oft im Ehrenamt oder durch Vereine instand gehalten. Sie dienen nicht nur touristischen Zwecken, sondern erleichtern auch den Schwimmunterricht für Kinder und den Wasserzugang für ältere oder gehbehinderte Menschen. Für Angler sind sie ebenfalls von großer Bedeutung.
„Sie gehören zu Brandenburgs Kultur und Tradition und spielen für Freizeit, Sport, Hobby, Tourismus und das soziale Leben der Einwohner und Besucher eine wichtige Rolle“, betont Heinze. Die Sorge der Initiatoren ist, dass ohne politisches Eingreifen weitere historische Anlagen im ganzen Land dem Abriss zum Opfer fallen könnten.
Rechtliche Unklarheiten als Hauptproblem
In der Petition wird eine unklare Rechtslage und mangelnder politischer Wille auf lokaler und landesweiter Ebene kritisiert. Diese Faktoren würden zu immer mehr Abrissen führen, während Anträge für Neubauten zunehmend schlechtere Aussichten auf Erfolg hätten. Die Initiatoren haben bereits Gespräche mit der unteren Wasserbehörde des Landkreises geführt, die für wasserrechtliche Genehmigungen zuständig ist.
Technische Lösungen wie seitliche Sicherungsanlagen im Flachwasserbereich, eine maximale Höhenbegrenzung über dem Wasserspiegel und entsprechende Beschilderungen könnten Risiken minimieren. Doch die Amtsverwaltung verweist weiterhin auf das unveränderte Haftungsrisiko seit dem Rückbau der Steganlage am Menkiner See.
Politische Unterstützung und lokale Entscheidungen
Die Stadtverordneten von Brüssow sprachen sich am 17. März einstimmig für einen neuen Steg am Menkiner See aus – unter der Bedingung, dass die Landesregierung die haftungsrechtliche Situation eindeutig klärt. Uckermark-Landrätin Karina Dörk (CDU) sicherte der Gemeinde Unterstützung zu und bietet Gesprächsbereitschaft an.
Auch der AfD-Landtagsabgeordnete Felix Teichner erklärte seine Unterstützung für die Petition: „Auf lokaler Ebene sind die dauerhafte Überprüfung des baulichen Zustandes durch die Gemeinde sowie die Haftungsfrage die größten Probleme. Hier gilt es, mit den betroffenen Kommunen jeweils passende Lösungen zu finden, damit es nicht zu weiteren Abrissen kommt.“
Die Initiatoren betonen, dass eine Klärung der Rechtslage im Interesse aller Beteiligten liegt – der Bürger, der Kommunen und des Landes. Die Petition „Rettet Brandenburgs Stege!“ bleibt bis Juni 2026 aktiv und sammelt weiter Unterschriften für den Erhalt dieses wichtigen kulturellen Erbes.



