Der Rufbus „Ilse“ der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG) erfreut sich im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wachsender Beliebtheit. Wurden im Startjahr 2021 lediglich 207 Personen befördert, stieg die Zahl im Jahr 2025 auf beeindruckende 39.558 Fahrgäste an. Insgesamt absolvierte das System seit August 2021 stolze 46.476 Fahrten, wie der Landkreis auf Anfrage mitteilt.
Steile Wachstumskurve bei Ilse
Die Entwicklung des Rufbusses zeigt eine steile Wachstumskurve: Im ersten vollen Betriebsjahr 2022 waren es 2.676 beförderte Personen, 2023 bereits 8.672 und 2024 sogar 19.119. Besonders stark genutzt wird Ilse in der Feldberger Seenlandschaft mit 4.781 Fahrgästen im vergangenen Jahr, gefolgt vom Amt Neustrelitz und Umland (4.702) sowie Waren an der Müritz (4.516).
Neubrandenburgs eigener Rufbus Rufus
Doch der Erfolg des kreisweiten Rufbusses weckt in Neubrandenburg auch Sorgen. Die Stadt betreibt seit Juni 2025 ein eigenes On-Demand-System namens „Rufus“, das von den Neubrandenburger Verkehrsbetrieben (NVB), einer Tochter der Stadtwerke, betrieben wird. Seit Januar 2026 fährt Rufus im gesamten Stadtgebiet und erhält von den Fahrgästen eine hervorragende Bewertung von 4,95 von fünf Punkten. Die Frage, die viele umtreibt: Wird Ilse den beliebten Rufus verdrängen, wenn der Kreis 2027 den gesamten Busverkehr übernimmt?
Kreis plant Übernahme und Einsparungen
Hintergrund ist ein Kreistagsbeschluss vom Dezember 2025, wonach die MVVG ab dem 1. Januar 2027 den gesamten öffentlichen Personennahverkehr im Kreisgebiet übernimmt – inklusive des Stadtverkehrs in Neubrandenburg. Die bisherige Zuständigkeit der Stadt endet damit Ende 2026. Der Landkreis als gesetzlicher Aufgabenträger verspricht sich von der Neuordnung jährliche Einsparungen von rund 540.000 Euro. Die NVB hatten im Jahr 2024 ein Defizit von 2,2 Millionen Euro verzeichnet.
Politik und Verwaltung äußern sich
In der Stadtvertretung brachte Ratsfrau Sabine Balschat die Befürchtungen vieler Neubrandenburger auf den Punkt: „Was passiert mit Rufus? Das Angebot läuft gut, hat wachsenden Zulauf und ist ein gelungenes Projekt. Wird das sterben mit dem Kreis?“ Oberbürgermeister Nico Klose (parteilos) räumt ein, dass die Stadt nach der Übernahme keinen Einfluss mehr haben werde. Der ÖPNV werde zunächst eins zu eins übernommen, so Klose. Was danach geschehe, entscheide die MVVG in Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Er habe zur Kenntnis genommen, dass Rufus gut funktioniere und beliebt sei, „aber ab dem 1. Januar werden wir keinen Einfluss mehr haben“.
Landkreis gibt teilweise Entwarnung
Der Landkreis gibt zumindest teilweise Entwarnung: Das Leistungsangebot im Stadtverkehr solle zum 1. Januar 2027 unverändert fortgeführt werden, teilt die Verwaltung mit. Eine Integration von Rufus in das Ilse-System sei „zu einem späteren Zeitpunkt denkbar“. Änderungen am Rufbusangebot würden stets in Abstimmung mit dem Landkreis als Aufgabenträger erfolgen, der die Finanzierung sicherstellt. Ob der Rufbus in Neubrandenburg künftig Rufus heißt, Ilse oder einen ganz anderen Namen trägt, bleibt offen. Fest steht nach Angaben des Kreises nur: Das Angebot soll erhalten bleiben. Finanziert wird Rufus bislang überwiegend aus Fördermitteln des Landes.



