Schweriner Kleingarten-Konflikt: Zerstörter Trampelpfad spaltet Anwohner und Pächter
Was für Generationen von Schwerinern eine selbstverständliche Alltagsabkürzung darstellte, ist nun Geschichte. Ein unscheinbarer Trampelpfad an der Kleingartenanlage „Güstrower Tor / Schwälkenberg“ wurde abrupt gesperrt, was zu erheblichem Frust und einer Spaltung unter Anwohnern führt.
Drei Jahrzehnte Tradition abrupt beendet
Seit rund dreißig Jahren nutzten Spaziergänger und Anlieger aus der Bornhövedstraße, vom Schwälkenberg sowie aus der Ricarda-Huch-, Ernst-Barlach- und Käthe-Kollwitz-Straße den Weg entlang der Gärten am Bootsverein Heidensee-Süd. Ob zum Fischer oder zum Einkaufen Richtung Hansecenter – der Pfad war fester Bestandteil des städtischen Lebens. Diese Tradition wurde nun ohne Vorankündigung beendet.
Doppelter Zaun und Brombeergebüsch als Barriere
Besonders verärgert zeigt sich der Schweriner Hartmuth Lorenz: „Ohne Information und Hinweise jeglicher Art wurde vor Wochen dieser Weg einfach abgesperrt. Dies doppelzäunig und teilweise mit Brombeer-Gestrüpp gesichert, wie ein Hochsicherheitstrakt.“ Für ihn und viele andere ist diese Entwicklung unverständlich, zumal es sich seiner Einschätzung nach lediglich um „eine halbierte Streuobst-Wiese“ handelt und ein Baurecht bislang nicht vorliege.
Folgen für Kleingartenpächter
Auch für einige Pächter des Kleingartenvereins „Güstrower Tor / Schwälkenberg“ hat die Sperrung spürbare Konsequenzen. Der Zugang zu ihren Parzellen ist erschwert oder teilweise unmöglich, was einzelne Pächter sogar zur Aufgabe ihrer Gärten bewegt. Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer über ein eingeschränktes Wegerecht sind bislang gescheitert.
Stadt Schwerin sieht sich machtlos
Die Stadt Schwerin kennt den Konflikt, betont jedoch ihre rechtliche Ohnmacht. Es handele sich um ein privates Grundstück, ein öffentliches Wegerecht sei im Grundbuch nicht verankert. „Uns sind die Hände gebunden“, heißt es aus der Verwaltung. Man empfehle, dass der Verein oder der Kreisverband der Gartenfreunde direkt mit dem Eigentümer eine Lösung sucht.
Baupläne des neuen Eigentümers
Nach aktuellem Stand verfolgt der neue Besitzer offenbar Baupläne für das Grundstück mit der Streuobstwiese im Außenbereich. Ein Antrag auf Wohnbebauung wurde bereits abgelehnt, aktuell läuft eine bauordnungsrechtliche Prüfung für ein Wochenendhaus beziehungsweise eine Gartenlaube.
Angespannte Lage im Verein
Der Gartensparten-Vereinsvorsitzende Steffen Möbus bestätigt die angespannte Situation: „Früher war dort ein Wanderweg, der über Jahrzehnte genutzt wurde. Vor Wochen zäunte der Eigentümer einen Streifen ein und nun den ganzen Weg.“ Für die Anlieger sei dies ein erhebliches Ärgernis.
Gesprächsversuche mit dem Flächeneigentümer blieben bisher ergebnislos. Selbst pragmatische Vorschläge wie Schilder mit dem Hinweis „Wegenutzung auf eigene Verantwortung“ wurden mit Verweis auf Sicherheitsaspekte abgelehnt.
Zusätzliche Eskalation durch Infrastrukturforderungen
Die Situation hat sich aus Sicht des Vereins durch weitere Forderungen des Eigentümers verschärft. So sollen Stromversorgungseinrichtungen des Vereins eingezäunt und zugleich der Rückbau von Leitungen auf dem Grundstück verlangt worden sein. „Die liegen dort aber seit Jahrzehnten im Boden“, berichtet Möbus.
Verhärtete Fronten mit Resthoffnung
Die Fronten wirken verhärtet, doch im Verein gibt man sich nicht ganz ohne Hoffnung. „Die Situation ist verfahren. Wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung“, sagt Möbus. Der Konflikt um den historischen Trampelpfad bleibt damit ein ungelöstes Ärgernis, das die Gemeinschaft vor Ort nachhaltig spaltet.



