Schwesig in Altentreptow: Windkraft, Lehrermangel und Chemtrails
Schwesig in Altentreptow: Windkraft, Lehrermangel, Chemtrails

Mit Themen wie Lehrermangel, Benzinpreis, Gesundheitssystem, Aufrüstung und vielen anderen Kritikpunkten sah sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) jetzt bei ihrem Bürgerforum in Altentreptow konfrontiert. Vier Monate vor den Landtagswahlen machte die SPD-Spitzenkandidatin bei ihrer Tour „Landesregierung vor Ort“ auch im Bürgertreff in der Kleinstadt an der Tollense Station.

Proteste vor dem Bürgertreff

Vor dem Gebäude hatten sich Windkraftgegner aus der Mecklenburgischen Seenplatte mit Plakaten aufgebaut. „Grüne Spinner aus der Stadt hat das Landvolk total satt“ und „Frau Schwesig, lassen Sie uns nicht im Regen stehen“ waren nur zwei ihrer Botschaften. Unter dem Motto „Kein zweites Altentreptow“ forderten sie den Verzicht auf weitere Windräder in der Gemeinde Galenbeck, in Mukran auf Rügen oder zwischen Plauer See und Müritz. „Es wird geplant und gebaut, obwohl die Entsorgung nicht geklärt ist, die Gesundheitsgefährdungen durch Mikroplastik, Infraschall, Lärm und Schattenwurf bekannt sind“, erklärte etwa Annette Fünfsinn aus Peenehagen nördlich von Waren.

Schwesig plädiert für Windenergie

Die SPD-Politikerin machte in der anschließenden Fragerunde vor rund 150 Bürgern, Kommunalpolitikern und Vertretern von Vereinen, Verbänden und Institutionen klar, dass sie Windkraft neben Solarstrom, Erdwärme und Biomasse als wichtigste Möglichkeit sieht, unabhängig Energie zu erzeugen. „Wenn wir Kohle, Atomkraft oder Gas nutzen, werden wir immer abhängig sein von anderen.“ Durch die aktuellen Kriege habe sich die Lage „noch mal verändert“. „Unter diesen Bedingungen“ wolle sie nicht auf Zusammenarbeit mit Ländern bauen, „die Konflikte mit Gewalt lösen“. Aber beim weiteren Ausbau der Windparks solle nicht die Fläche zählen, sondern die Leistung angerechnet werden.

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Kulturelle Projekte und Kita-Diskussion

Detlef Klage vom Treptower Kultur- und Heimatverein berichtete der Ministerin von den Bestrebungen, den Mühlenspeicher in Altentreptow zu einem kulturellen Zentrum auszubauen und regte an, Ausgrabungsfunde aus dem Tollensetal dort auszustellen. Manuela Schwesig zeigte sich als Freundin des Gedanken, „historische Schätze dem sanften Tourismus zugänglich zu machen“. Sie wies darauf hin, dass das Historische Landesmuseum Schwerin drei weitere Außenstandorte erhalten solle, unter anderem einen im Tollensegebiet.

Um Kinderbetreuung ging es Robert Priebe vom Kita-Kreiselternrat der Mecklenburgischen Seenplatte. „Wie und wann gibt es Verbesserungen in den Kitas?“, wollte er wissen. Die Situation in den Kindertagesstätten sei „regional sehr unterschiedlich“, erläuterte die Ministerin. In manchen Einrichtungen seien große Gruppen ein Problem. In anderen hingegen machten sich die geburtenschwachen Jahrgänge in den Kinderzahlen bemerkbar, und damit stelle sich die Frage nach anderen Einsatzorten für manche Kindergärtnerinnen. „In manchen Orten wird es schwierig, Kitas überhaupt noch zu halten.“ Jetzt Gruppen zu verkleinern, das sei „finanziell nicht darstellbar“.

Lehrermangel bleibt großes Thema

Ein Lehrer, der in Pasewalk und Siedenbollentin nach eigenen Angaben 18 Klassen in Geografie, drei in Sozialkunde und drei in Astronomie und somit 520 Schüler unterrichtet, erinnerte daran, dass die Zahl der Lehrer trotz vieler Seiteneinsteiger noch immer nicht ausreiche. Manuela Schwesig zeigte sich beeindruckt von diesen Zahlen und versicherte dem Pädagogen, den Fall unverzüglich Bildungsministerin Simone Oldenburg (Die Linke) anzutragen. „Dadurch wird sich das eine oder andere beschleunigen.“ Das Land unternehme seit einiger Zeit große Anstrengungen, den Lehrerberuf attraktiver zu machen. „Aber Lehrer können sich natürlich aussuchen, in welche Regionen sie gehen möchten.“ Darum werde immer auch versucht, ihnen die Vorzüge der ländlichen Regionen schmackhaft zu machen.

Wenn die Ministerin passen muss

Mehr als zwei Stunden lang stellten die Besucher der Ministerpräsidentin in Altentreptow ihre Fragen. Nur bei der Frage, „wer die immer breiter werdenden Chemtrails veranlasst, die den ganzen Himmel milchig machen“, musste sie passen. Sie könne damit ad hoc nichts anfangen und wolle sich erst kundig machen.

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Für die Gastgeberin, die Stadt Altentreptow, hatte Schwesig dann noch ein Mitbringsel im Gepäck. Sie überreichte Bürgermeisterin Claudia Ellgoth einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 25.000 Euro für den Ausbau eines Grünen Gewerbegebiets.