Landkreis Vorpommern-Greifswald feiert Erfolge: Investitionen und Aufbruchstimmung prägen Jahresempfang
Vorpommern-Greifswald: Aufbruchstimmung bei Jahresempfang

Jahresempfang des Landkreises Vorpommern-Greifswald: Optimismus trotz Herausforderungen

Mit einem deutlichen Signal der Zuversicht hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald seinen Jahresempfang in Wolgast begangen. Rund 150 Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen folgten der Einladung von Landrat Michael Sack, der in seiner Ansprache eine positive Bilanz der vergangenen knapp 15 Jahre zog und die Aufbruchstimmung in der Region betonte.

Von der umstrittenen Reform zur Erfolgsgeschichte

Landrat Michael Sack, CDU-Politiker, stellte gleich zu Beginn seiner Rede eine steile These auf: „Unser Kreis ist gewachsen“, erklärte der 52-Jährige und verwies damit nicht auf die Einwohnerzahl, die tendenziell rückläufig ist, sondern auf die Entwicklung des Landkreises insgesamt. Aus einer ursprünglich umstrittenen Kreisgebietsreform, die von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt wurde, habe sich Vorpommern-Greifswald zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Vor allem in den letzten Jahren seien bedeutende Fortschritte erzielt worden, so Sack, der sich sichtlich um eine optimistische Grundstimmung bemühte.

Kreistagspräsidentin Sandra Nachtweih, ebenfalls CDU, unterstützte diese Einschätzung und hob gemeinsam mit dem Landrat die Errungenschaften der Kreisgeschichte hervor. Die Veranstaltung wurde durch kurzweilige Akrobatik des Anklamer Fritz-Reuter-Ensembles aufgelockert, das mit spektakulären Darbietungen für Stimmung sorgte.

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Rekordinvestitionen durch Bundes- und Landesmittel

Ein zentrales Thema des Abends waren die umfangreichen Investitionen, die aktuell im Landkreis getätigt werden. Dank des Investitionsprogramms der Bundesregierung und zusätzlicher Gelder aus Schwerin wird auf kommunaler Ebene so viel investiert wie nie zuvor. Landrat Sack betonte, dass die Kreisverwaltung besonders von dieser Entwicklung profitiere. Zwar handele es sich bei den Mitteln aus Berlin letztlich um Steuergelder, die alle Bürger bezahlen müssten, doch ermöglichten die Millionen aus dem Milliardenprogramm wichtige Projekte, die der gesamten Bevölkerung zugutekämen.

„Es ist Geld, das wir investieren können, ohne eigene Kredite aufnehmen zu müssen“, erklärte Sack. In enger Abstimmung mit der Landesregierung liege ein Schwerpunkt auf dem Bildungsbereich, etwa beim Neubau des Deutsch-Polnischen Gymnasiums in Löcknitz.

Bauprojekte und Infrastrukturverbesserungen

Der Landrat wies darauf hin, dass unabhängig von den Bundesmitteln in den vergangenen Jahren deutlich mehr Bauvorhaben im Auftrag des Landkreises realisiert worden seien. Zu den aktuellen Projekten gehören:

  • Die energetische Sanierung des Anklamer Lilienthal-Gymnasiums
  • Der Neubau des Gefahrenabwehrzentrums in der Greifswalder Feldstraße
  • Die neue Kfz-Ausbildungshalle in Torgelow für die Berufsschulausbildung, die voraussichtlich noch in diesem Frühjahr fertiggestellt wird

Perspektivisch sind weitere größere Vorhaben geplant, darunter der Neubau der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Gützkow und ein neues, zentrales Gebäude der Kreisverwaltung in Anklam in der Demminer Straße.

Fortschritte bei Kreisstraßen und Ehrenamtsförderung

Nach jahrelanger Vernachlässigung seien auch bei den Kreisstraßen spürbare Verbesserungen erreicht worden. Sack verwies auf sieben Abschnitte, die allein im Jahr 2025 saniert wurden, ähnlich wie in den Vorjahren. Insgesamt seien seit der Kreisreform mehr als 100 der insgesamt gut 800 Kilometer Kreisstraßen im Landkreis instand gesetzt worden, wie auch Kreistagspräsidentin Nachtweih betonte. Beide machten jedoch deutlich, dass in puncto Straßeninfrastruktur weiterhin ein „Kraftakt“ bevorstehe, zumal der harte Winter vielen Straßen zusätzlich zugesetzt habe.

Besondere Würdigung fand das Ehrenamt im Landkreis. Sack hob die „Landretter“-App hervor, die bei lebensbedrohlichen Notfällen freiwillige Ersthelfer alarmiert und so die Wartezeit auf den Rettungsdienst überbrückt. Mehr als 1000 Menschen seien in der App registriert, und im vergangenen Jahr habe dies mindestens ein Leben gerettet. Ebenfalls erwähnt wurde das Wunschgroßeltern-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund, bei dem bereits erste feste Paare in Familien vermittelt worden seien.

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Digitalisierung und demografische Herausforderungen

Landrat Sack betonte, dass die früher als träge geltende Kreisverwaltung heute auf einem guten Weg in Sachen Digitalisierung und Effizienz sei. Ein Grund dafür sei die Verjüngung des Personals: Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter habe sich von 52,5 auf 44 Jahre reduziert. Gleichzeitig stellte Sack die bevorstehende Verrentungswelle in zahlreichen Lebensbereichen als eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre heraus.

Konstruktiver Ton gegenüber der Landesregierung

Überraschend versöhnlich zeigte sich Sack in Richtung der Schweriner Landesregierung unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Der CDU-Landrat, der Schwesig 2021 herausgefordert hatte, bemühte sich um einen konstruktiven Ton und vermied es, in den anlaufenden Landtagswahlkampf einzustimmen. Als Präsident des MV-Landkreistags ist Sack derzeit ein wichtiger Ansprechpartner für die Landesregierung.

Kritik wurde dennoch geäußert, wenn auch verhalten: Hinter vorgehaltener Hand ärgert man sich in den Kreisverwaltungen darüber, dass die Landesregierung sehr genaue Vorgaben für die Verwendung ihrer Mittel macht, anstatt die Kommunen finanziell auskömmlich auszustatten und ihnen mehr Entscheidungsfreiheit zu lassen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und politische Grußworte

Sowohl Nachtweih als auch Sack betonten die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den polnischen Nachbarn. „Grenzen trennen heute nicht mehr, sie verbinden“, sagte die Kreistagspräsidentin und verwies auf verschiedene Projekte, die die Kooperation von Jahr zu Jahr intensivierten.

Die Reden wurden durch Grußworte von Vertretern der Landes- und Bundesregierung abgerundet. Patrick Dahlemann (SPD), Chef der Staatskanzlei, nutzte seine Ansprache für eine Art vorzeitigen Wahlkampf, kritisierte die Bundesregierung und forderte rasche Entlastungen bei den Spritpreisen. Philipp Amthor (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Digitalisierung, überbrachte hingegen per Videobotschaft sachlichere Grüße der Bundesregierung und betonte sein Engagement dafür, dass Vorpommern-Greifswald künftig zur digitalen Spitze in Deutschland gehöre.

Insgesamt zeigte der Jahresempfang ein Landkreis im Aufbruch, das trotz anhaltender Herausforderungen mit Optimismus in die Zukunft blickt.