Streit um Tierhaltungslogo: Gastronomie wehrt sich gegen Pflicht
Streit um Tierhaltungslogo: Gastronomie wehrt sich

Neue Regelung für Currywurst und Schnitzel: Gaststätten laufen Sturm

Die geplante Einführung eines verpflichtenden staatlichen Tierhaltungslogos für Fleisch in Restaurants und Kantinen sorgt für heftigen Widerstand in der Gastrobranche. Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), kritisierte die Pläne scharf. Der Aufwand für die Betriebe sei enorm, und die Maßnahme komme in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zur Unzeit. „Erneut muss dokumentiert und gekennzeichnet werden. Der Sinn bleibt fraglich“, sagte Schimke der Deutschen Presse-Agentur.

Gastronomie warnt vor Einschränkungen

Schimke betonte, dass Gäste vor allem wegen des Wohlfühlfaktors und des Geschmacks kämen, nicht wegen eines Schildes vor der Tür. Zudem drohe eine Einschränkung der Angebotsvielfalt. „Die für die Gastronomie unverzichtbare Flexibilität etwa bei kurzfristigen Lieferantenwechseln oder bei Mischprodukten ginge verloren.“ Sie forderte, dass Informationen zur Tierhaltung freiwillig bleiben müssten.

Hintergrund: Kennzeichnungspflicht ab 2027

Die schwarz-rote Koalition will die lang geplante Pflichtkennzeichnung im nächsten Jahr auch auf die Gastronomie ausweiten. Das System mit fünf Kategorien von „Stall“ bis „Bio“ wurde bereits 2023 von der Vorgängerkoalition beschlossen, die Umsetzung aber mehrfach verschoben. Bislang galt es nur für frisches Schweinefleisch im Einzelhandel.

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Das Bundesagrarministerium hat nun einen Entwurf vorgelegt, der vorsieht, dass das Logo künftig auf Speisekarten, Preisverzeichnissen oder Aushängen erscheinen muss. Ziel sei es, Gästen in Restaurants, Kantinen oder Imbissen eine „informierte Kaufentscheidung“ zu ermöglichen. Bislang gebe es dort kaum Informationen zu den Haltungsbedingungen der Tiere.

Ausnahmen und praktische Umsetzung

Die Kennzeichnung soll nicht für getränkegeprägte Betriebe oder Gaststätten ohne Schweinefleischgerichte gelten. Betroffen wären laut Ministerium rund 100.000 Gaststätten. Da Restaurants ihr Fleisch meist wöchentlich einkaufen und feste Lieferverträge haben, müssten die Angaben in Speisekarten oder Preistafeln etwa einmal pro Woche aktualisiert werden.

Anders als im Supermarkt soll die Kennzeichnung nicht direkt am Produkt angebracht werden. Stattdessen sind verschiedene Optionen vorgesehen: auf Blätterkarten, digital oder über Hinweise an der Theke mit Einsichtsmöglichkeit auf Anfrage. Bei Schweinefleischrouladen reicht die Kennzeichnung des Fleisches, nicht aber für Speck zur Geschmacksgebung oder Fleisch in Tortellini, Maultaschen oder Bolognese-Saucen.

Branchenbündnis warnt vor höheren Preisen

Gegen die Pläne hat sich ein Bündnis aus Verbänden der Systemgastronomie, Caterer, Fleischer und Bäcker formiert. Sie warnen vor bürokratischem Aufwand und erheblichen Zusatzkosten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten. Höhere Preise in Schulen, Kitas, Mensen oder Kliniken träfen besonders Familien und Senioren. Zudem sei das Informationsbedürfnis der Verbraucher zu Tierhaltungsformen beim Außer-Haus-Verzehr gering.

Im Supermarkt gibt es bereits seit 2019 eine freiwillige Kennzeichnung der großen Handelsketten.

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