Kerstin Eisenreich will Landrätin im Saalekreis werden
Eisenreich: Bürgernähe und Nahverkehr im Fokus

Der Saalekreis sucht eine neue Landrätin oder einen neuen Landrat. Am 7. Juni können die Bürger zwischen vier Kandidaten wählen. Wir stellen sie vor. Heute: Kerstin Eisenreich (Linke).

Wirtschaft und Verwaltung

Wirtschaftliche Entwicklung nennt Kerstin Eisenreich als Erstes, wenn man sie nach Zielen als mögliche Landrätin des Saalekreises fragt. In dieser Funktion habe man zwar nur begrenzte Möglichkeiten, auf die Wirtschaft Einfluss zu nehmen, aber sie würde regelmäßig das Gespräch mit Bund und Land suchen. Die Wirtschaftsförderung müsse im Kreis hoch angebunden sein. Dort sollte es auch eine Anlaufstelle für Kommunen geben, die sich um Fördermittel bemühen.

Eisenreich kennt das Rennen um den Chefsessel im Merseburger Schloss wie keine Zweite. Sie kandidiert zum dritten Mal. Beim Erstversuch 2014 schaffte es die 57-Jährige in die Stichwahl gegen Frank Bannert (CDU). Damals stand die Großkuglerin ganz am Anfang ihrer politischen Laufbahn.

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Politischer Werdegang

Geboren in Oschatz studierte sie in der Wendezeit Russisch und Spanisch als Dolmetscherin in Leipzig. Anschließend ging sie für zweieinhalb Jahre nach Spanien, dann kurz nach Halle, bevor sie Ende der 1990er Jahre in Großkugel ankam. Sie arbeitete als Dolmetscherin und lehrte an Hochschulen. Als die Landesregierung dort 2013 massiv kürzen wollte, habe sie sich stärker politisiert, berichtet Eisenreich. In dieser Zeit liefen die Vorbereitungen für die Kommunalwahlen 2014: „Mein Mann, der schon Mitglied war, fragte mich, ob ich Lust hätte, für die Linken zu kandidieren.“ Sie sagte ja, wurde Mitglied. Dann habe der Kreisverband sie wegen der Landratskandidatur gefragt.

Das klappte zwar nicht. Dennoch gab es für sie den Sprung ins kalte Wasser der Kommunalparlamente. Aktuell sitzt sie im Kreistag und im Ortschaftsrat Großkugel. Seit 2016 hat sie ein Landtagsmandat, sitzt für ihre kleine Fraktion in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Umwelt und Infrastruktur. Im vergangenen Jahr erklärte die 57-Jährige, bei der Landtagswahl 2026 nicht wieder anzutreten. Sie wolle etwas anderes machen.

Bürgernahe Verwaltung

Landrätin sei etwas anderes, sagt sie nun und erklärt ihre Motivation: „Wir machen als Kreistag schon viel und ich weiß auch um die Finanzen, aber es ist noch mehr drin für die Menschen und auch für die Verwaltung.“ Sie wolle einen Führungsstil der Wertschätzung pflegen, damit den Beschäftigten der Verwaltung die Arbeit Spaß mache. Verwaltung sei ein Service für die Menschen, sagt Eisenreich. Sie müsse daher für die Einwohner des Saalekreises besser erreichbar sein.

„Digitalisierung ist dabei nur ein Baustein. Die Verwaltung muss zu den Menschen kommen.“ Dies könne zum Beispiel durch ein Landkreismobil erfolgen, das regelmäßig in Orten Halt macht, oder auch dadurch, dass Mitarbeiter der Kreisverwaltung ein- oder zweimal im Monat in die Stadt- und Gemeindeverwaltungen gehen. Zudem dürften keine weiteren Außenstellen in Halle mehr geschlossen werden.

Öffentlicher Nahverkehr

Eisenreich kritisiert, dass einige Bevölkerungsgruppen, etwa Zugewanderte oder Menschen mit Behinderung, mit ihren Bedürfnissen bisher kaum durch den Kreistag wahrgenommen würden. Sie will das durch Beiräte ändern: „Ich bin auch Verfechterin eines Jugendparlaments.“ Zudem fordert sie, dass der Kreis den beiden Naturparks auf seinem Gebiet beitritt und dass er durch Erneuerbare-Energie-Anlagen auf seinen Gebäuden Vorbildfunktion übernimmt.

Einen Schwerpunkt will Eisenreich beim Thema Öffentlicher Nahverkehr setzen. Es geht ihr zum einen darum, allen Schülern ein Deutschlandticket kostenlos zur Verfügung zu stellen, und zum anderen um einen Ausbau der ÖPNV-Verbindungen gerade im nördlichen und westlichen Kreis. Die seien derzeit vor allem sternförmig gen Halle ausgerichtet, was fehle, seien die Verbindungen zwischen den Orten. „Da soll nicht überall der große Bus fahren, sondern wir müssen gucken, welche innovativen Alternativen es gibt.“

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Gesundheitsversorgung

Mit Blick auf die Gesundheitsversorgung auf dem Land will Eisenreich weiterhin das Basedow-Klinikum unterstützen. Sie wünscht sich aber auch Medizinische Versorgungszentren, Polikliniken, in der Fläche. Der Kreis könne hier mit Förderung für Gemeinschaftspraxen unterstützen. „Und auch über ein Modell wie im Burgenlandkreis mit Gemeindenotfallsanitätern muss man nachdenken.“

Wirtschaftsentwicklung

Was die Wirtschaft angeht, sieht Eisenreich kaum Bedarf für neue Gewerbegebiete. „Das ist ein altes Instrument.“ Man solle lieber gucken, wie man Kommunen unterstützen kann, alte Gebiete zu füllen. Eine Ausnahme: „Leuna III ist richtig.“ Aber es sei wichtig, dafür zu sorgen, dass sich dort Firmen ansiedeln, die die Transformation der Chemie vorantreiben.