Spahn als Fraktionschef wiedergewählt – leichte Verluste im Vergleich zum Vorjahr
Spahn als Fraktionschef wiedergewählt – leichte Verluste

Berlin – Jens Spahn bleibt Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bei seiner Wiederwahl am Mittwoch erhielt der 45-Jährige 86,5 Prozent der Stimmen, wie ein Fraktionssprecher mitteilte. Enthaltungen werden bei der Union nicht mitgezählt. Damit liegt das Ergebnis knapp fünf Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres von 91,3 Prozent. Vor der Wahl hatte es aus Spahns Umfeld geheißen, alles über 80 Prozent sei in Ordnung. Mancher hatte jedoch damit gerechnet, dass er sogar wieder über 90 Prozent kommen könnte, da die entscheidende Reformphase ansteht und man den Fraktionschef nicht angeschlagen in Verhandlungen mit der SPD schicken wolle.

Spahn sieht sich als Stabilitätsanker

Spahn selbst beschreibt seine Aufgabe als Fraktionschef als „Knorpel sein“ – er müsse Druck aus der Regierung, der Partei und der eigenen Fraktion abfedern. „Eine Aufgabe ist es, das alles in Balance zu bringen, auszugleichen oder auch durchzubringen am Ende und dem Druck standzuhalten“, sagte er kürzlich im Podcast „mayway“. Die ersten Monate seien sehr „intensiv“ gewesen, aber unter dem Strich „okay“. Inzwischen sieht er sich selbst als „Stabilitätsanker“ der schwarz-roten Koalition, zusammen mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch.

Schwieriger Start und Affären

Spahns erste Amtszeit begann holprig. Das Platzen der Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht im Juli 2025 wurde ihm angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannt hatte. Er bezeichnet diesen Tag als einen der „heftigsten“ seiner politischen Karriere, neben einer Situation während der Corona-Krise, als er massiv unter Druck geriet. Auch die Affäre um Maskenkäufe in seiner Zeit als Gesundheitsminister verfolgte ihn bis in diese Legislaturperiode. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, sagt der CDU-Politiker.

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Nagelprobe Rentenstreit

Die wohl schwierigste Nagelprobe hatte Spahn im Herbst zu meistern, als die Junge Union gegen das Rentengesetz von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas rebellierte. Spahn musste die notwendigen Stimmen organisieren und nahm sich jeden Einzelnen der jungen Rebellen vor. Medienberichten zufolge soll er dabei nicht zimperlich vorgegangen sein und sogar mit dem Entzug von Listenplätzen gedroht haben. Nach diesen schwierigen Monaten hat sich Spahn gefangen, sein Rückhalt in der Fraktion gilt als stabil. Er tritt heute befreiter auf, lässt sich häufiger im Fernsehen blicken.

Schwäche von Merz stärkt Spahn

Dass Spahn noch die Kurve gekriegt hat, hängt auch mit der entgegengesetzten Entwicklung von Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen. Merz konnte sich anfangs als „Außenkanzler“ profilieren, ist aber zum ersten Jahrestag der Koalition innen- und außenpolitisch ins Schlingern geraten. Die Schwäche des Kanzlers und Zweifel an der Achse zwischen Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) lassen das Gewicht von Spahn und Miersch wachsen.

Vorbehalte beim Koalitionspartner

Vorbehalte gegenüber Spahn bleiben jedoch. Der CDU/CSU-Fraktionschef gilt als derjenige in der Führungsriege, dem am ehesten zugetraut wird, die Tür zur AfD einen Spalt zu öffnen. Öffentliche Zuckungen in diese Richtung gab es bei ihm bisher nicht. Spahn selbst hat einen pragmatischen Ansatz: „Muss“, beschreibt er die Situation kurz und knapp. „Es muss gehen, dass die Koalition zusammenarbeitet. Selbst wenn es hart ist und nervt und mühsam ist: Es muss gehen.“

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