Spahn bleibt Fraktionschef – Verluste bei Wiederwahl
Spahn bleibt Fraktionschef – Verluste bei Wiederwahl

Jens Spahn bleibt Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bei seiner Wiederwahl ein Jahr nach Amtsantritt erreichte er 86,5 Prozent der Stimmen, wie ein Fraktionssprecher mitteilte. Enthaltungen wurden dabei nicht mitgezählt. Das Ergebnis liegt knapp fünf Prozentpunkte unter dem Wert von 91,3 Prozent aus dem Vorjahr.

Spahn hatte seinen Job zuvor als "Knorpel" beschrieben, der Druck aus Regierung, Partei und Fraktion abfedern müsse. Die ersten Monate seien "intensiv" gewesen, aber unter dem Strich "okay". Vor der Wahl hieß es aus seinem Umfeld, alles über 80 Prozent sei in Ordnung. Manche hatten sogar mit über 90 Prozent gerechnet, da die entscheidende Reformphase ansteht.

Ein Abgeordneter erklärte nach der Wahl, das Ergebnis spiegele den Zwiespalt in der Fraktion wider: Es gebe Verdruss, aber man wolle den Laden nicht "zerschießen". Die Union wählt ihre Führung bereits nach zwölf Monaten neu, danach bleibt sie für drei Jahre im Amt.

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Vor der Fraktionssitzung mahnte Spahn Union und SPD zum Zusammenhalt. Man habe sich zu sehr in "Spiralen der Selbstvergewisserung und der Rechtfertigung" verfangen. "Da müssen und wollen wir raus", sagte er. "Wir sind dazu verpflichtet, in der politischen Mitte, in dieser Koalition, die Probleme zu lösen."

Spahn: 24 Jahre im Bundestag

Mit 45 Jahren liegt Spahn zwar noch zwei Jahre unter dem Durchschnittsalter, zählt aber zu den erfahrensten Parlamentariern. 2002 wurde er mit 21 als damals jüngster Abgeordneter der Union in den Bundestag gewählt. Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister unter Angela Merkel. Nach dem Wahlsieg der Union im vergangenen Jahr machte ihn Friedrich Merz zum Fraktionschef – ein Posten, der im Koalitionsgefüge deutlich mächtiger ist als ein Ministeramt.

Schwieriger Start und die Richterwahl-Pleite

Seine erste Amtszeit begann holprig. Das Platzen der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde ihm angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannte. Er bezeichnet den 10. Juli 2025 als einen der "heftigsten" Tage seiner politischen Karriere. Auch die Affäre um Maskenkäufe in seiner Zeit als Gesundheitsminister verfolgte ihn bis in diese Legislaturperiode. "Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen", sagt Spahn.

Die größte Nagelprobe war der Rentenstreit im Herbst, als die Junge Union gegen das Rentengesetz von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas rebellierte. Spahn musste die notwendigen Stimmen organisieren und nahm sich jeden einzelnen Rebellen vor. Medienberichten zufolge drohte er sogar mit dem Entzug von Listenplätzen.

Stabilitätsanker in der Koalition

Nach den schwierigen ersten Monaten hat sich Spahn gefangen. Sein Rückhalt in der Fraktion gilt als stabil. Er tritt befreiter auf und ist häufiger im Fernsehen zu sehen. Galt er anfangs als Wackelkandidat, sieht er sich nun selbst als "Stabilitätsanker" der Koalition – zusammen mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch.

Während Spahn sich gefangen hat, steckt Kanzler Friedrich Merz in der Krise. Merz konnte sich anfangs als "Außenkanzler" profilieren, ist aber zum ersten Jahrestag seiner Koalition innen- und außenpolitisch ins Schlingern geraten. Die Schwäche des Kanzlers und Zweifel an der Achse zwischen Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil lassen das Gewicht von Spahn und Miersch wachsen.

Vorbehalte beim Koalitionspartner gegenüber Spahn bleiben jedoch. Er gilt als derjenige in der Führungsriege, der am ehesten die Tür zur AfD einen Spalt öffnen könnte. Öffentliche Zuckungen in diese Richtung gab es bisher nicht.

Spahns Motto: "Muss"

Spahn hat einen pragmatischen Ansatz für die schwierige Koalitionssituation. Er beschreibt ihn westfälisch knapp mit einem Wort: "Muss." "Es muss gehen, dass die Koalition zusammenarbeitet", sagt er. "Selbst wenn es hart ist und nervt und mühsam ist: Es muss gehen."

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