Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) reagiert auf die gescheiterte Erhöhung des Rundfunkbeitrags mit einem drastischen Sparkurs. Wie der Sender am Montag bekannt gab, werden die Produktionen der Krimireihen "Tatort" und "Polizeiruf 110" für drei Jahre ausgesetzt. Aktuell sind noch sechs Produktionen in Auftrag gegeben, eine weitere sollte eigentlich am Montag vom Rundfunkrat genehmigt werden, doch das Gremium war nicht beschlussfähig. Die Genehmigung soll nun im Umlaufverfahren erfolgen. Bereits fertiggestellte Folgen sollen in den kommenden Jahren ausgestrahlt werden.
Hintergrund der Sparmaßnahmen
Die Bundesländer hatten eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags von 18,36 Euro auf 18,94 Euro zum 1. Januar 2025 nicht umgesetzt. ARD und ZDF haben dagegen Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, eine Entscheidung steht noch aus. MDR-Intendant Ralf Ludwig betonte, dass der Sender ohne diese Mittel keine andere Wahl habe, als tief einzuschneiden. Die fehlenden Einnahmen könnten nicht kompensiert werden.
Weitere Einsparungen beim MDR
Neben der Aussetzung der Krimiproduktionen plant der MDR, seine Social-Media-Aktivitäten um 30 Prozent zu reduzieren. Podcasts mit weniger als 6000 Hörern pro Monat sollen eingestellt werden, es sei denn, sie haben eine besondere öffentlich-rechtliche Relevanz. Das "Mittagsmagazin", das der MDR vor drei Jahren vom RBB übernommen hatte, wird an den NDR abgegeben. Zudem wird das Magazin "MDR um 2" durch ein streamingoptimiertes Nachrichtenformat ersetzt, was etwa 40 Stellen betrifft. Insgesamt sind mindestens 200 Mitarbeiter von den Sparmaßnahmen betroffen, wobei noch unklar ist, ob feste Stellen gestrichen werden.
Bereits zum Jahresende 2026 will der MDR die UKW-Verbreitung der Radiowelle MDR-Sputnik einstellen und nur noch digital senden. Auch die Sendereihen "Raus aufs Land" und "Naturfilm" erhalten keine neuen Folgen mehr.
Reaktionen und Ausblick
Die ARD hatte bereits eine viermonatige "Tatort"-Sommerpause für 2026 angekündigt. Sollte das Modell Schule machen, müssten die ARD-Mitglieder weniger Folgen produzieren. Der MDR betont, dass die Überprüfung des Podcast-Portfolios und der Social-Kanäle kontinuierlich erfolge. "Weniger wird in Zukunft mehr sein, Qualität vor Quantität", so ein Sprecher.



