2025: Mehr Vertreibungen durch Gewalt als durch Naturkatastrophen
2025: Gewalt vertreibt mehr Menschen als Katastrophen

Im Jahr 2025 hat sich ein alarmierender Trend bestätigt: Erstmals wurden weltweit mehr Menschen durch Konflikte und Gewalt in ihrem Heimatland vertrieben als durch Naturkatastrophen. Die Beobachtungsstelle für Binnenvertriebene (IDMC) mit Sitz in Genf veröffentlichte diese Daten und zeigt damit eine dramatische Verschiebung der Vertreibungsursachen auf.

Anstieg der konfliktbedingten Vertreibungen

Laut IDMC wurden im vergangenen Jahr 32,2 Millionen Vertreibungen durch Konflikte und Gewalt registriert. Dies entspricht einem Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen waren Iran und die Demokratische Republik Kongo, auf die fast zwei Drittel aller konfliktbedingten Vertreibungen entfielen. Die Zahl der Vertreibungen durch Katastrophen wie Stürme und Überschwemmungen sank dagegen um 35 Prozent auf 29,9 Millionen.

Definition und Erfassung von Vertreibungen

Die IDMC betont, dass die Zahlen nicht die Anzahl individuell betroffener Personen widerspiegeln, sondern jeden einzelnen Vertreibungsakt erfassen. Eine Person kann innerhalb eines Jahres mehrfach vertrieben werden. Eine Vertreibung liegt vor, wenn jemand aufgrund von Gefahr aus seinem Zuhause fliehen muss und innerhalb des eigenen Landes Schutz sucht. Es handelt sich also um Binnenvertriebene, nicht um Menschen, die ins Ausland fliehen.

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Globale Lage der Binnenvertriebenen

Insgesamt lebten 2025 weltweit 82,2 Millionen Menschen nicht in ihren angestammten Wohnorten – ein Rückgang gegenüber 83,5 Millionen im Jahr 2024, aber immer noch die zweithöchste jemals registrierte Zahl. Die meisten Binnenvertriebenen gab es im Sudan, in Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan. Die IDMC, die 1998 vom Norwegischen Flüchtlingsrat gegründet wurde, warnt jedoch, dass die Datenlage aufgrund fehlender Finanzmittel zunehmend unzuverlässiger wird.

Kritik und Forderungen

Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), kritisierte die Entwicklung scharf. Er sprach von einem „weltweiten Versagen bei der Konfliktprävention und beim grundlegenden Schutz der Zivilbevölkerung“. Egeland warnte: „So kann es nicht weitergehen.“ Die Organisationen fordern verstärkte internationale Anstrengungen, um Konflikte zu verhindern und die Zivilbevölkerung besser zu schützen.

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