Wenige Tage vor der geplanten Militärparade zum Tag des Sieges in Russland hat ein ukrainischer Drohnenangriff auf ein Wohnhochhaus in Moskau die Sicherheitsbedenken verstärkt. Der Einschlag ereignete sich in der Mosfilmowskaja-Straße, nur etwa sechs Kilometer Luftlinie vom Roten Platz entfernt, wo Kremlchef Wladimir Putin am 9. Mai traditionell die Parade abnimmt. Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte auf Telegram mit, dass es keine Verletzten gegeben habe. Dennoch sorgt der Vorfall für Unruhe, da der Wolkenkratzer mit einer Höhe von 213 Metern und Luxuswohnungen ein markantes Gebäude im Westen der russischen Hauptstadt ist. Fotos zeigen mehrere verbrannte Fenster auf halber Höhe des Gebäudes. In der Nähe befinden sich mehrere Botschaften, darunter die deutsche Botschaft, die nur knapp einen Kilometer vom Einschlagsort entfernt liegt.
Selenskyj sieht Russland geschwächt
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte die Gelegenheit, um die Schwäche Russlands zu betonen. Beim Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, erklärte er: „In diesem Sommer wird der Moment kommen, an dem Putin entscheiden wird, was er weiter tun will, den Krieg auszuweiten oder den Weg der Diplomatie einzuschlagen.“ Selenskyj wies darauf hin, dass Moskau bei der Parade zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Militärtechnik mehr zeigen könne. „Und sie fürchten, dass Drohnen über den Roten Platz fliegen. Das sagt etwas. Es zeigt, dass sie jetzt nicht stark sind.“
Russische Luftabwehr aktiv
Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits Ende April mitgeteilt, dass die Militärparade am Samstag aus Sicherheitsgründen ohne Panzer und Raketen stattfinden werde. In der Nacht zum Montag meldete das Ministerium, dass insgesamt 117 feindliche Drohnen über verschiedenen Teilen des Landes abgefangen worden seien. Zwei weitere ukrainische Drohnen wurden den Angaben zufolge von der Flugabwehr abgeschossen. Ukrainische Drohnen fliegen immer wieder den Großraum Moskau an und stören dabei den Flugverkehr. Allerdings sind Einschläge selten, da die Ukraine ihre Angriffe hauptsächlich auf Militärobjekte und Anlagen der russischen Öl- und Gasindustrie konzentriert. Es blieb unklar, ob der Treffer geplant war oder durch einen Steuerungsfehler oder elektronische Ablenkmaßnahmen verursacht wurde.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. Russland beschießt dabei systematisch das Hinterland des Nachbarn und setzt Drohnen und Raketen ein. Bei diesen Angriffen kommen in der Ukraine fast täglich Zivilisten ums Leben; Wohnhäuser und lebenswichtige Infrastruktur werden zerstört. Der jüngste Vorfall in Moskau zeigt, dass der Krieg auch vor der russischen Hauptstadt nicht Halt macht.



