Günther warnt vor gesellschaftlichem Abgrund durch soziale Medien
Mit noch eindringlicheren Worten als zuvor hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther seine Forderung nach einem Social-Media-Verbot für junge Menschen bekräftigt. Der CDU-Politiker äußerte sich in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und warnte vor schwerwiegenden Konsequenzen für die Gesellschaft.
„Schwere Sünde“ und staatliche Schutzpflicht
„Wenn wir so weitermachen wie bisher, ohne einzugreifen, führt das unsere Gesellschaft in den Abgrund“, erklärte Günther. Er betonte, dass auch Erwachsene von einer intensiven Nutzung sozialer Medien nicht unbeschadet blieben. Der Ministerpräsident kritisierte scharf, dass Deutschland in den vergangenen Jahren eine „schwere Sünde“ begangen habe, weil die Gefahren zu spät erkannt und keine Maßnahmen ergriffen worden seien.
Günther stellte klar: „Wir haben bei jüngeren Menschen erhebliche Schäden mitzuverantworten, weil wir unserer Schutzfunktion als Staat nicht nachgekommen sind.“ Er verwies auf problematische Inhalte wie Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrte Schönheitsbilder, die Depressionen bei Kindern und Jugendlichen auslösen könnten.
Keine Kompromisse bei Schutzmaßnahmen
Der Ministerpräsident forderte eine schnelle Umsetzung eines Verbots. „Jeder Monat, den wir warten, schadet Kindern und Jugendlichen“, argumentierte er. „Es gibt keinen Grund mehr zu warten.“ Günther zeigte sich optimistisch, dass eine Mehrheit in Bundesregierung und Bundestag für ein Verbot zu gewinnen sei, da sich sowohl CDU als auch SPD ähnlich positioniert hätten.
Auch die Haltung von CSU-Chef Markus Söder, der ein Verbot als kontraproduktiv ansieht, weil es soziale Medien für Jugendliche interessanter mache, sieht Günther nicht als unüberwindbares Hindernis. „Ich kenne Markus Söder so, dass er durchaus auf Entwicklungen reagiert. Deshalb kann es gut sein, dass er nochmal in sich geht“, sagte der CDU-Politiker. Er betonte jedoch: „Sonst bin ich immer für Kompromisse. Bei diesem Thema nicht.“
Parteitagsbeschluss und Kritik
Die CDU hatte auf ihrem Parteitag im Februar beschlossen, ein Mindestalter von 14 Jahren für soziale Medien wie TikTok und Instagram einführen zu wollen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Dieser Vorstoß stößt jedoch auch auf Widerstand. Kritiker wie das Deutsche Kinderhilfswerk lehnen ein Verbot ab, weil es die digitale Teilhabe von Kindern einschränken und ihre Entwicklung beeinträchtigen könnte.
Günther räumte zwar ein, dass Teilhabe wichtig sei, stellte aber provokant die Frage: „Aber welche Kinder wollen Teilhabe an Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrten Schönheitsbildern, die sie in Depressionen treiben?“ Er plädierte für einen strengen staatlichen Schutzrahmen, der die negativen Auswirkungen sozialer Medien begrenzen soll.



