Weihnachtsmarkt-Anschlag: Sozialministerin verteidigt Freistellung von Salus-Führungskraft
Ministerin verteidigt Freistellung nach Weihnachtsmarkt-Anschlag

Weihnachtsmarkt-Anschlag: Sozialministerin verteidigt Freistellung von Salus-Führungskraft

Die Sozialministerin von Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne (SPD), hat im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags das Vorgehen bei der Aufarbeitung des beruflichen Umfelds des späteren Magdeburger Todesfahrers ausführlich verteidigt. Die Freistellung des früheren Ärztlichen Direktors beim landeseigenen Gesundheitsunternehmen Salus im Februar 2025 habe sie ausdrücklich unterstützt, betonte die SPD-Politikerin. „Das war unumgänglich“, erklärte Grimm-Benne mit Nachdruck.

Hintergrund des tragischen Anschlags

Im Dezember 2024 fuhr Taleb al-Abdulmohsen mit einem Auto über den Weihnachtsmarkt von Magdeburg. Bei diesem verheerenden Anschlag wurden sechs Menschen getötet und mehr als 300 Personen zum Teil schwerst verletzt. Derzeit läuft am Landgericht Magdeburg der Prozess gegen den Mann aus Saudi-Arabien. Al-Abdulmohsen arbeitete im Maßregelvollzug in Bernburg (Salzlandkreis) bei der Salus als Stationsarzt, wo sein Aufgabengebiet die psychiatrische Betreuung von Straftätern umfasste.

Kritik an Informationslücken und unvollständiger Darstellung

Der frühere Ärztliche Direktor habe unvollständig und lückenhaft informiert, kritisierte Sozialministerin Grimm-Benne im Untersuchungsausschuss. Al-Abdulmohsen sei auf Grundlage der Einschätzungen des damaligen Ärztlichen Direktors von der Salus zunächst als zuverlässig dargestellt worden, betonte die Ministerin. Erst Wochen später habe man zufällig von einer E-Mail erfahren, über die ihr Haus viel früher hätte informiert werden müssen, so Grimm-Benne.

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Warnsignale und besorgniserregende Äußerungen

Im Februar 2025 war herausgekommen, dass sich ein Kollege bereits ein paar Monate vor dem Anschlag Sorgen um die Verfassung von al-Abdulmohsen machte. Dieser Hinweis wurde per E-Mail an Vorgesetzte weitergegeben. Al-Abdulmohsen hatte in einem Gespräch im Dienstzimmer gesagt, er befände sich in einem Krieg, „aber nicht im metaphorischen Sinn, sondern in einem wirklichen Krieg, dessen Ausgang entweder sterben oder umbringen sein wird“. Der Ärztliche Direktor führte daraufhin ein Gespräch mit al-Abdulmohsen, wobei Anzeichen einer Selbst- oder Fremdgefährdung nicht festgestellt wurden.

Auffälligkeiten im beruflichen Verhalten

Ein späterer Sonderbericht ergab, dass al-Abdulmohsen bei der Salus durch verschiedene Verhaltensweisen aufgefallen war:

  • Lange und wirre E-Mails
  • Unzuverlässigkeit und wenig Engagement
  • Beschreibung als verschlossener Einzelgänger
  • Fachärztliche Defizite

Grimm-Benne sagte deutlich, eine Kündigung von al-Abdulmohsen hätte früher in Erwägung gezogen werden müssen. Mit der Freistellung des damaligen Ärztlichen Direktors habe man unter anderem sicherstellen wollen, dass dieser keinen Einfluss auf den Sonderbericht nehme, so die Ministerin. Das Arbeitsverhältnis mit dem Ärztlichen Direktor wurde später aufgelöst.

Forderung nach umfassender Information

Die Sozialministerin betonte abschließend, sie müsse sich darauf verlassen können, dass sie von Bediensteten umfassend und richtig informiert werde. Diese grundlegende Erwartung sei im Fall des Ärztlichen Direktors nicht erfüllt worden, was die Freistellung notwendig gemacht habe. Die Aufarbeitung der Vorfälle vor dem tragischen Weihnachtsmarkt-Anschlag bleibt ein zentrales Thema im Untersuchungsausschuss.

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