Massiver Polizeieinsatz für Atommülltransport erwartet
Ein bevorstehender Atommülltransport könnte Nordrhein-Westfalen in Alarmbereitschaft versetzen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet mit einem gewaltigen Einsatz von bis zu 4500 Beamten, um die Castor-Behälter auf ihrer Reise vom Forschungszentrum Jülich ins Zwischenlager Ahaus im Münsterland zu sichern. Dieser Transport stellt die Sicherheitskräfte vor enorme Herausforderungen.
Einsatz übertrifft Fußball-Derbys
Patrick Schlüter, Landeschef der GdP NRW, verdeutlichte die Dimensionen: „Wir als GdP rechnen mit Größenordnungen von 3500 bis zu 4500 Einsatzkräften.“ Zum Vergleich: Bei einem Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 oder zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln sind üblicherweise lediglich 2500 bis 3000 Polizisten im Einsatz. Der Atommülltransport erfordert somit deutlich mehr Personal als eines der größten Fußballevents des Landes.
Gefahr durch Proteste und mögliche Blockaden
In den vergangenen Monaten haben Anti-Atomkraft- und Umweltschutzgruppen bereits mehrfach gegen die geplanten Transporte demonstriert. Schlüter warnt eindringlich vor den Risiken: „Es wäre der Super-Gau, wenn es Castorgegnern gelänge, den Transport unterwegs zu stoppen.“ Die Polizei beobachtet die Szene sehr genau, da sie um die Radikalität und schnelle Mobilisierungsfähigkeit der Aktivisten weiß, die beispielsweise in Lützerath aktiv waren.
Komplexe Transportstrecke durch dicht besiedeltes Gebiet
Der Transport selbst ist äußerst anspruchsvoll. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) hat im vergangenen Jahr die Genehmigung für Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus erteilt. Geplant ist, insgesamt 152 Behälter mit etwa 300.000 Brennelementekugeln auf der Straße zu transportieren. Die Strecke erstreckt sich über rund 170 Kilometer und führt auch durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet. Mehrere Fahrten sollen aus dem Rheinland nach Westfalen durchgeführt werden.
Hintergrund: Fehlende Betriebserlaubnis und kein Endlager
Der Grund für den Abtransport aus Jülich ist dringlich: Die Betriebserlaubnis für die dortige Lagerstätte ist seit Jahren ausgelaufen. Das Lager in Ahaus dient lediglich als Zwischenlösung. In Deutschland existiert derzeit kein Endlager, in dem hochradioaktiver Atommüll für Hunderttausende von Jahren sicher gelagert werden könnte. Stattdessen gibt es bundesweit 16 Zwischenlager.
Der genaue Zeitpunkt für den Beginn der Transporte steht noch nicht fest. Die Umweltschutzorganisation BUND ist vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mit einem Eilantrag gegen den Sofortvollzug der Transportgenehmigung gescheitert. Die GdP NRW zeigt sich zwar mit dem vorhandenen Strahlenschutz- und Arbeitssicherheitskonzept zufrieden, hält den gesamten Einsatz dennoch für unnötig.



