Nach einem Beißvorfall in Hamburg sorgt ein Wolf für Aufsehen: Das Tier mit der Kennzeichnung GW5505m war der erste Wolf, der in eine deutsche Großstadt eindrang und einen Menschen biss. Nach seiner Freilassung legte der Grauwolf rund 100 Kilometer zurück und hält sich nun vermutlich in der Lüneburger Heide in Niedersachsen auf. Die Hamburger Umweltbehörde hat einen Plan für den Fall, dass der Wolf erneut Menschen zu nahe kommt.
Hintergrund des Vorfalls
Der Wolf irrte tagelang durch den Westen Hamburgs und zeigte sich zunächst äußerst scheu gegenüber Menschen und Hunden. Am 30. März jedoch verirrte er sich in ein Einkaufszentrum in Hamburg-Altona, wo er einer Frau ins Gesicht biss, als diese versuchte, ihm eine Automatiktür zu öffnen. Anschließend floh das Tier in die Innenstadt, wo es von der Polizei aus der Alster gerettet wurde. Die Behörde unter Senatorin Katharina Fegebank (49, Grüne) entschied kurz darauf, den Wolf in der Fischbeker Heide an der Landesgrenze wieder auszusetzen. Diese Entscheidung stieß in der Bevölkerung auf große Besorgnis.
Aktueller Aufenthaltsort und Monitoring
Wie die Behörde bestätigte, hat sich der Wolf seit der Freilassung rund 100 Kilometer nach Süden bewegt. Der genaue Standort wird aus Tierschutzgründen nicht veröffentlicht, um das Tier nicht zu stören. Es wird jedoch angenommen, dass er sich in der Lüneburger Heide aufhält, einer Region mit zahlreichen Schäfereien, deren Herden häufig von Wölfen angegriffen werden. Der Wolf trägt einen Sender, der eine jederzeitige Nachverfolgung ermöglicht. Das Monitoring erfolgt in flexiblen Rhythmen, die die Behörde nicht näher spezifiziert.
Geplante Maßnahmen bei Annäherung
Falls der Wolf sich wieder einer Stadt nähert oder auffälliges Verhalten zeigt, plant die Behörde konkrete Schritte. Dazu gehören Vergrämungsmaßnahmen mittels Paintball-Pistolen sowie im Extremfall ein Abschuss. „Im Falle eines auffälligen oder problematischen Verhaltens des Wolfs kommen Maßnahmen wie beispielsweise das Vergrämen des Tieres durch Paintball-Pistolen oder ein Abschuss in Betracht“, erklärte die Behörde. Der Schutz der Bevölkerung habe dabei Priorität.
Kritik am Umgang mit dem Wolf
Der Hamburger CDU-Vizefraktionschef Richard Seelmaecker (53) übt scharfe Kritik an der aktuellen Praxis: „Es ist absurd, wenn gefährliche Tiere stärker geschützt werden als Schafe, Ponys oder Rinder. Es wird Zeit, dass das Jagdrecht der veränderten Gefahrenlage angepasst wird.“ Er verweist auf den unzureichenden Schutz von Nutztieren, da Wölfe regelmäßig hohe Zäune überwinden und Schafe reißen. Die Behörde betont hingegen, dass etablierte Herdenschutzmaßnahmen präventiv wirken sollen. In Deutschland leben derzeit rund 1600 Wölfe auf einer Fläche von 357.000 Quadratkilometern, während im größeren und dünner besiedelten Schweden nur etwa 350 Tiere vorkommen.



