Zehn Jahre nach den verheerenden Anschlägen: Belgien gedenkt der Opfer
Genau ein Jahrzehnt ist vergangen, seit die belgische Hauptstadt Brüssel von den schwersten Terroranschlägen in der jüngeren Geschichte des Landes erschüttert wurde. Am 22. März 2016 detonierten an zwei zentralen Orten Sprengstoffgürtel: am internationalen Flughafen Brüssel-Zaventem und in der U-Bahn-Station Maelbeek im Herzen des Europaviertels. Die Bilanz dieser koordinierten Attacken war verheerend: 32 Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche weitere wurden teils schwer verletzt.
Gedenkfeiern mit Königspaar und Regierungschef
Am Sonntag fanden unter Beteiligung von König Philippe, Königin Mathilde und Ministerpräsident Bart De Wever bewegende Gedenkveranstaltungen statt. Die Zeremonien begannen am frühen Morgen genau dort, wo der Terror seinen Anfang nahm: am Flughafen Brüssel-Zaventem. Überlebende berichteten von ihren traumatischen Erfahrungen und dem langen Weg der Verarbeitung. Anschließend setzte sich das Gedenken am zweiten Tatort, der U-Bahnstation Maelbeek, fort und sollte später an einem speziellen Denkmal im Europaviertel seinen Abschluss finden.
Die Anschläge waren Teil einer größeren Terrorwelle, die Europa in den Jahren 2015 und 2016 heimsuchte. Die Attentäter von Brüssel gehörten derselben Zelle an, die bereits im November 2015 die blutigen Attacken in Paris mit 130 Todesopfern verübt hatte. Die noch lebenden Täter verbüßen inzwischen lange Haftstrafen, doch für die Hinterbliebenen und Überlebenden bleibt der Schmerz allgegenwärtig.
Überlebende berichten von ihrem täglichen Kampf
„Zu behaupten, dass dieses Leben einfach ist, wäre eine glatte Lüge“, sagte Béatrice de Lavalette, eine Überlebende des Flughafen-Anschlags, während der Gedenkfeier. Die Frau, die bei der Explosion beide Beine verlor, schilderte eindringlich: „Jeden einzelnen Tag wache ich mit den Erinnerungen an diesen Horror auf. Ich betrachte meinen Körper – meinen verbrannten, verletzten und zerfetzten Körper.“ Doch de Lavalette, die nach dem Anschlag zur paralympischen Reiterin wurde, betonte auch ihre Lebensentscheidung: „Ich habe mich entschieden zu leben, zu kämpfen.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gedachte der Opfer über soziale Medien und schrieb: „Zehn Jahre sind vergangen, seit Brüssel auf eine Art und Weise attackiert wurde, die wir niemals vergessen werden. Heute denken wir an die Opfer und ihre Angehörigen, die noch immer einen Verlust tragen, den die Zeit nicht heilen kann. Wie schon 2016 stehen wir heute vereint da – solidarisch und entschlossen, unsere gemeinsamen Werte zu verteidigen.“
Wut und Kritik am belgischen Staat
Neben der tiefen Trauer war bei den Gedenkveranstaltungen auch deutliche Wut spürbar. Eine Frau, die 2016 ihren Ehemann und Vater ihrer zwei Kinder verlor, kritisierte laut lokalen Medienberichten scharf: „Der belgische Staat hat nicht das Nötige unternommen, um uns zu schützen.“ Sie fügte anklagend hinzu: „Der Mangel an Organisation war extrem, aber der Mangel an Menschlichkeit war noch ohrenbetäubender.“
Die Gedenkfeiern finden in einer Zeit statt, in der die Sorge vor möglichen neuen Anschlägen in Europa wieder zunimmt. Erst am 9. März wurde eine Synagoge in der ostbelgischen Stadt Lüttich durch eine Explosion beschädigt, wenngleich glücklicherweise niemand verletzt wurde. In den Niederlanden kam es kurz darauf zu zwei ähnlichen Vorfällen gegen die jüdische Gemeinde.
Die Anschläge vom 22. März 2016 markieren einen der dunkelsten Tage in der belgischen Nachkriegsgeschichte. Während die offiziellen Gedenkveranstaltungen der Opfer würdig gedenken, zeigen die emotionalen Reaktionen der Überlebenden und Hinterbliebenen, dass zehn Jahre für die Verarbeitung solch traumatischer Ereignisse nur ein begrenzter Zeitraum sind. Die Wunden heilen langsam, und die Forderungen nach besserem Schutz der Bürger sowie nach mehr Menschlichkeit im Umgang mit den Betroffenen bleiben aktuell.



