Gnade in letzter Minute: Verurteilter (75) wird von Hinrichtung verschont
Charles Burton sollte sterben, obwohl er nachweislich nie einen Mord begangen hat. Ein umstrittenes Gesetz im US-Bundesstaat Alabama hätte dies ermöglicht. Doch Gouverneurin Kay Ivey (81) griff im allerletzten Moment ein und wandelte die Strafe um. Der 75-Jährige verbrachte bereits mehr als drei Jahrzehnte im Todestrakt des William C. Holman Correctional Facility in Atmore.
Geplante Hinrichtung durch Stickstoff abgewendet
Am Donnerstag, dem 12. März 2026, sollte Charles „Sonny“ Burton durch die umstrittene Methode der Stickstoffinhalation hingerichtet werden. Diese Vollstreckung wird nun nicht stattfinden. Die Entscheidung der Gouverneurin löst gemischte Reaktionen aus: Während die Angehörigen des eigentlichen Opfers erleichtert sind, zeigt sich Generalstaatsanwalt Steve Marshall völlig verständnislos.
„Der Fall war immer eindeutig“, betonen Beobachter. Burton war 1991 an einem Raubüberfall beteiligt, bei dem Doug Battle (34) getötet wurde. Allerdings befand sich Burton bereits außerhalb des Geschäfts, als sein Komplize Derrick DeBruce den tödlichen Schuss abgab. DeBruce starb später eines natürlichen Todes im Gefängnis.
Opfer-Tochter setzte sich für Begnadigung ein
Tori Battle war zum Zeitpunkt der Tat neun Jahre alt. In einem bewegenden Zeitungsartikel schrieb sie: „Niemand vom Staat hat sich je mit mir zusammengesetzt, um mir zu erklären, warum Alabama glaubt, einen Mann hinrichten zu müssen, der meinen Vater nicht getötet hat.“ Sie fügte hinzu: „Meine Liebe zu meinem Vater erfordert keinen weiteren Tod, schon gar keinen, der jeglicher Vernunft widerspricht.“
Ihre Intervention trug maßgeblich dazu bei, dass die Gouverneurin die Umwandlung der Strafe prüfte. Die sogenannte Felony-Murder-Regel in Alabama behandelt alle Beteiligten an bestimmten Straftaten gleich – unabhängig davon, wer die tödliche Handlung ausführte.
Gouverneurin begründet Entscheidung mit Gerechtigkeit
Kay Ivey, die in ihrer Amtszeit bereits 25 Hinrichtungen genehmigt hat, erklärte: „Ich halte es für ungerecht, dass ein Beteiligter an diesem Verbrechen hingerichtet wird – und derjenige, der den Abzug gedrückt hat, nicht.“ Sie betonte, weiterhin an die Todesstrafe zu glauben, sofern diese fair und verhältnismäßig angewendet werde.
Ihre Entscheidung, Burtons Strafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit vorzeitiger Entlassung umzuwandeln, erfolgte nur Stunden vor der geplanten Vollstreckung. Dies markiert eine seltene Abweichung von ihrer bisherigen Linie.
Generalstaatsanwalt äußert scharfe Kritik
Steve Marshall, Generalstaatsanwalt von Alabama, reagierte enttäuscht auf die Begnadigung. In einer Stellungnahme gegenüber NBC News sagte er: „Burton verdient keine Sonderbehandlung, nur weil er alt ist – er hätte schon längst hingerichtet werden können.“ Er warf dem Verurteilten vor, durch endlose und haltlose Berufungsverfahren die Vollstreckung hinausgezögert zu haben.
Die Kontroverse um den Fall wirft erneut Fragen zur Anwendung der Todesstrafe und speziell der Felony-Murder-Regel auf. Menschenrechtsorganisationen und Justizexperten fordern seit Jahren eine Reform dieser umstrittenen Rechtsnorm.
Charles Burton verbringt nun seine verbleibenden Jahre im Gefängnis, während die Debatte über Gerechtigkeit und Menschlichkeit im amerikanischen Justizsystem weitergeht.



