Block-Prozess nach dreiwöchiger Pause fortgesetzt: Zeugenliste bleibt umfangreich
Nach einer Unterbrechung von drei Wochen wird der aufsehenerregende Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder am Montag fortgesetzt. Bereits der 37. Verhandlungstag steht an, doch ein Ende des Mammutverfahrens ist noch lange nicht in Sicht. Die Zeugenliste ist nach wie vor lang, und zahlreiche Prozessbeteiligte warten noch auf ihre Befragung.
Komplexer Fall mit krimiähnlichen Elementen
Der Fall um die Unternehmerin Christina Block weist viele Details auf, die wie aus einem übertriebenen Kriminalroman stammen könnten. Entführte Kinder, verfeindete Ex-Ehepartner, angeklagte Prominente und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter sorgen für eine außergewöhnliche Dramatik. Der Prozess zieht weiterhin viele Zuschauer in das Landgericht Hamburg, obwohl die Besucherzahlen im Vergleich zum Beginn etwas zurückgegangen sind.
Christina Block muss sich vor Gericht verantworten, weil sie während eines erbitterten Sorgerechtsstreits der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola den Auftrag gegeben haben soll, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark zu entführen. Insgesamt stehen sechs Mitangeklagte vor Gericht.
Aussagen der Beteiligten und neue Zeugen
Christina Block erklärte zu Prozessbeginn, dass die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur für die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée zuständig gewesen sei. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Eine Mitarbeiterin der Firma habe sie am Neujahrsmorgen 2024 angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren.
Mitten im laufenden Prozess meldete sich der gesuchte Chef des Sicherheitsunternehmens, David Barkay, aus Israel bei den deutschen Ermittlungsbehörden. Er soll die Rückholaktion organisiert und durchgeführt haben. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll Barkay Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Für seine Zeugenaussage erhielt der 68-Jährige wie drei weitere Israelis sicheres Geleit.
Barkay sagte aus, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes in Dänemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden. Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt Andreas Costard sei sein wichtigster Ansprechpartner gewesen, berichtete der Zeuge.
Details zur Silvesternacht und weitere Zeugen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lauerten mindestens fünf Männer dem Vater und den Kindern in Süddänemark auf. Die Täter sollen Hensel zusammengeschlagen und den zehnjährigen Jungen sowie die dreizehnjährige Tochter in ein Auto gezerrt haben. Die Entführer seien in zwei Fahrzeugen mit deutschen Kennzeichen geflohen und hätten die Autos in der Nähe der Grenze gewechselt.
Dabei verschlossen sie den Kindern mit Klebeband den Mund. Die Tochter sei an den Händen gefesselt worden. Mit einem Wohnmobil fuhr die Gruppe weiter nach Baden-Württemberg. Dort blieben die Kinder bis zum Eintreffen der Mutter am 1. Januar 2024, dann ging es weiter nach Hamburg.
Nun wird eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamtes als Zeugin aussagen, die die Kinder nach ihrer Rückkehr zur Mutter sprach. Zudem werden weitere Zeugen erwartet, darunter eine Frau namens „Olga“, die als „rechte Hand“ des Chefs des israelischen Sicherheitsunternehmens arbeitete und zu einer engen Vertrauten von Christina Block wurde.
Prozessdauer und weitere Entwicklungen
Das Landgericht Hamburg hat mehrmals neue Termine angesetzt. Für das am 11. Juli 2025 gestartete Verfahren sind nun Daten bis Ende 2026 vereinbart. Sollte man die wirklich alle benötigen, wären das 107 Verhandlungstermine. Das Landgericht stellte jedoch klar, dass dies keine verbindliche Aussage über die tatsächliche Verfahrensdauer sei. Es könne durchaus auch kürzer oder länger dauern.
Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe, so wie sie die Staatsanwaltschaft formuliert, zurück. Der 36-jährige Israeli hat zwar zugegeben, an der Rückholaktion beteiligt gewesen zu sein, betonte jedoch, seine Motive seien edel gewesen.
Christina Block und der 36-jährige Israeli sind ebenso wie der Familienanwalt Costard die Hauptangeklagten. Die vier anderen Angeklagten müssen sich wegen Beihilfe verantworten – darunter auch der Lebensgefährte von Christina Block, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling.
Weil Hensel bei der Tat verletzt wurde, ist er Nebenkläger und an den meisten Prozessterminen im Gerichtssaal anwesend. Am 5. Januar 2024 hatte das Hanseatische Oberlandesgericht aufgrund seines Eilantrags entschieden, dass ihm die Kinder zurückgegeben werden müssen. Das geschah noch am selben Tag.



