Mehr als 47.000 Epstein-Akten vorübergehend vom Netz genommen
Das US-Justizministerium hat nach Medienberichten Zehntausende Dokumente aus den veröffentlichten Akten zum Fall Jeffrey Epstein offline gestellt. Analysen der Zeitung Wall Street Journal und des Senders CBS News ergaben, dass bis Ende Februar mehr als 47.000 Dateien von der öffentlich zugänglichen Plattform mindestens vorübergehend entfernt wurden. Dies betrifft einen Teil der über drei Millionen Seiten, die im Rahmen des Epstein Files Transparency Act veröffentlicht wurden.
Begründung und Kritik an den Entfernungen
Justizministeriumssprecherin Natalie Baldassarre erklärte gegenüber CBS News, dass keine Dateien dauerhaft gelöscht worden seien. Die Dokumente aus den Ermittlungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seien lediglich zur weiteren Überprüfung vorübergehend offline gestellt worden. Laut Wall Street Journal wurden 47.635 Dateien zu diesem Zweck entfernt und sollten bis Ende der Woche wieder online gehen.
Aus der Sammlung wurden auch Fotos aus Epsteins Gefängnis sowie Bilder von Computern und anderen Beweisstücken entfernt. Das Ministerium begründete dies mit dem Schutz persönlicher Daten und von Opfern. Allerdings kritisierten Abgeordnete, dass einige Schwärzungen möglicherweise eher einflussreiche Personen schützen könnten, anstatt die Privatsphäre zu wahren.
Fehlende Dokumente zu Donald Trump
Nach Angaben des Wall Street Journal betreffen einige der zurückgehaltenen Unterlagen FBI-Vermerke zu Befragungen einer Frau aus dem Jahr 2019. Sie hatte ausgesagt, in den Achtzigerjahren als Minderjährige von Epstein missbraucht worden zu sein und dabei auch Vorwürfe gegen den späteren US-Präsidenten Donald Trump erhoben. Veröffentlicht wurden bisher eine Zusammenfassung der Aussagen und ein erstes FBI-Vernehmungsprotokoll.
Drei weitere Berichte, in denen auch Trump erwähnt worden sein soll, sind laut Wall Street Journal derzeit nicht online verfügbar. Das Ministerium hat dafür bislang keine spezifische Begründung geliefert, sondern erklärt, man prüfe, ob Materialien unzulässig gekennzeichnet worden seien, und werde sie gegebenenfalls freigeben.
In einer früheren Pressemitteilung hatte das Ministerium betont, dass die Angaben in den Unterlagen nicht verifiziert seien. Einige Vorwürfe gegen Trump seien dem FBI kurz vor der Präsidentschaftswahl 2020 vorgelegt worden und als unbegründet und falsch eingestuft worden. Recherchen deuten jedoch darauf hin, dass die umfangreichen Ermittlungsakten mehr Material zu Trump enthalten könnten als bisher veröffentlicht.
Die vorübergehende Entfernung der Dokumente wirft Fragen zur Transparenz und Vollständigkeit der Veröffentlichung auf, insbesondere im Hinblick auf hochrangige politische Figuren. Die Öffentlichkeit wartet gespannt auf die Wiederherstellung der Akten und mögliche weitere Enthüllungen.



