Jahrelanger Gerichtsstreit: Falsche Quittung über 20.000 Euro führt zu Betrugsversuch
Falsche Quittung über 20.000 Euro führt zu Betrugsversuch

Jahrelanger Gerichtsstreit: Falsche Quittung über 20.000 Euro führt zu Betrugsversuch

Ein skurriler Fall von Betrug hat über Jahre mehrere Gerichte in der Mecklenburgischen Seenplatte beschäftigt. Ein 49-jähriger Mann aus einem Dorf bei Neustrelitz versuchte, mit einer falsch ausgestellten Quittung über 20.000 Euro den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zu täuschen. Nach einem langwierigen Rechtsstreit zog der vorbestrafte Betrüger nun seine Berufung zurück und räumte den Betrugsversuch ein.

Der Ausgangspunkt: Tiere und eine fatale Quittung

Die Geschichte begann vor etwa zehn Jahren, als das Veterinäramt des Landkreises wegen unsachgemäßer Haltung eine größere Anzahl von Katzen und Hunden aus der Familie des Mannes entfernen ließ. Die entstandenen Kosten von über 20.000 Euro sollte der Angeklagte begleichen. Um die Summe in Raten zu bezahlen, fuhr er regelmäßig ins Bürgerbüro nach Neustrelitz, wo er jeweils 50 Euro einzahlte.

Am 2. Januar 2018 passierte dann ein folgenschweres Versehen: Eine junge Mitarbeiterin stellte ihm versehentlich eine Quittung über 20.273,44 Euro aus – statt über die tatsächlich gezahlten 50 Euro. Der Mann nahm die Quittung an sich und verließ das Büro. Der Fehler wurde zwar kurz darauf bemerkt, doch die Quittung war bereits weg.

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Der Betrugsversuch und die gerichtliche Auseinandersetzung

Der Mann zahlte zunächst weiterhin monatlich 50 Euro ein, bis ihm Anfang 2019 die falsche Quittung wieder einfiel. Er stellte die Zahlungen ein und verklagte den Landkreis vor dem Verwaltungsgericht Greifswald. Seine Behauptung: Er habe die gesamte Summe bereits beglichen, was er mit der Quittung belegen könne.

Als Erklärung für die angebliche Zahlung von über 20.000 Euro gab er an, das Geld von einem anonymen Bekannten geliehen zu haben. Dieser habe ihm geholfen, eine angebliche Zulassungssperre für sein Auto aufzuheben, das er zur Pflege einer Angehörigen benötigte. Doch weder das Verwaltungsgericht noch das Oberverwaltungsgericht Greifswald glaubten dieser Geschichte und wiesen seine Klage ab.

Das strafrechtliche Nachspiel und das Ende des Streits

Nachdem der Mann die restlichen rund 20.000 Euro an den Landkreis zahlen musste, folgte ein Strafverfahren vor dem Amtsgericht Waren. Der Richter verurteilte ihn wegen Betrugsversuchs zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Dagegen legte der Angeklagte Berufung ein, die nun vor dem Landgericht Neubrandenburg verhandelt wurde.

Richterin Urte Brinkmann und Staatsanwalt Toralf Günther zeigten sich skeptisch. „Wenn sie den Namen des Bekannten mit dem Geld nennen, könnten wir überprüfen, ob ihre Version stimmt“, sagte die Richterin. Doch der Mann wollte den Namen nicht preisgeben. Angesichts der Aussichtslosigkeit seiner Lage zog er schließlich die Berufung zurück, um weitere Kosten zu vermeiden. Dies kommt einem Geständnis gleich und beendet den jahrelangen Rechtsstreit.

Die junge Mitarbeiterin, die die falsche Quittung ausgestellt hatte, wartete erneut als Zeugin vor Gericht, musste aber nicht mehr aussagen. Der 49-Jährige muss nun die Verfahrenskosten der Berufung sowie die 1800 Euro Geldstrafe zahlen. Richterin Brinkmann verabschiedete ihn mit den Worten: „In dieser Form sollten wir uns nicht mehr wiedersehen.“

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