Ein 44-jähriger Mann aus Neubrandenburg ist am Amtsgericht Neubrandenburg zu einer Haftstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden, weil er im Mai 2024 mit einem BMW mit über 150 km/h vor der Polizei geflüchtet war. Trotz einer schweren Tumorerkrankung des Angeklagten sah Richterin Iris Hagedorn keine Möglichkeit, erneut eine Bewährungsstrafe zu gewähren, da der Mann bereits einschlägig vorbestraft war und die Tat während einer laufenden Bewährungszeit begangen hatte.
Die Tat im Detail
Am 19. Mai 2024 gegen Mitternacht hatte der Angeklagte nach einem Streit mit seiner Bekannten deren Autoschlüssel an sich genommen, obwohl er seit längerem keinen Führerschein mehr besaß. Er wollte nach eigenen Angaben nur eine Runde fahren, um sich abzureagieren. Als die Polizei ihn bemerkte, gab er Gas und raste mit 150 bis 160 km/h in Richtung Neustrelitz davon. Die Polizeibeamten konnten mit 180 km/h nicht aufschließen. Andere Verkehrsteilnehmer wurden zu gefährlichen Ausweichmanövern gezwungen. Erst eine Straßensperre kurz vor Neustrelitz stoppte den Flüchtigen.
Vorstrafen und Krankheit als Faktoren
Der Verteidiger des Angeklagten führte ins Feld, dass sein Mandant an einem Hirntumor leide und daher nicht mehr Auto fahren könne. Er hoffte auf eine erneute Bewährungsstrafe. Doch das Vorstrafenregister zeigte, dass der 44-Jährige bereits mehrfach, auch einschlägig, vorbestraft war. Zudem war die neue Tat in der Bewährungszeit einer früheren Verurteilung begangen worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte daher sieben Monate Haft wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.
Richterin Hagedorn folgte diesem Antrag weitgehend und verhängte sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Sie betonte, dass der Angeklagte bereits bei einer früheren Verurteilung dieselbe Krankheit als Grund für Milde angeführt habe, aber dennoch erneut straffällig geworden sei. „Mit dem Bewährungshelfer nicht reden, aber rasen – das geht gar nicht“, stellte sie enttäuscht fest. Ob der Angeklagte haftfähig ist, solle ein Arzt entscheiden.
Die Bundesstraße 96 ist bekannt für ihre Gefährlichkeit. Im vergangenen Jahr gab es 580 Unfälle auf der B96 in Mecklenburg-Vorpommern, etwa ein Drittel davon im Bereich der Mecklenburgischen Seenplatte. Erst vor wenigen Tagen kam ein 19-jähriger Autofahrer südlich von Neubrandenburg ums Leben.



