Gouverneurin greift zwei Tage vor geplanter Hinrichtung ein
In einer bemerkenswerten Entscheidung hat Alabamas Gouverneurin Kay Ivey das Todesurteil gegen Charles »Sonny« Burton aufgehoben – nur zwei Tage vor der geplanten Hinrichtung. Der 75-jährige Burton sollte nach 34 Jahren in der Todeszelle mit Stickstoff hingerichtet werden. Die Gouverneurin ordnete stattdessen eine Umwandlung in lebenslange Haft ohne Bewährungsmöglichkeit an.
Hintergrund des Falls aus dem Jahr 1991
Der Fall geht auf einen Raubüberfall im Jahr 1991 in Talladega, Alabama, zurück. Bei dem Überfall auf ein Geschäft wurde ein Kunde getötet. Burton war als Mittäter an dem Raub beteiligt, hatte jedoch nicht den tödlichen Schuss abgefeuert. Dennoch wurde er 1992 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Den eigentlichen Schützen, Derrick DeBruce, traf ebenfalls die Todesstrafe, die später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. DeBruce verstarb später im Gefängnis.
Begründung der Gouverneurin
In ihrer Erklärung betonte Gouverneurin Ivey, es wäre »ungerecht«, Burton hinzurichten. Sie führte drei entscheidende Punkte an:
- Burton hatte das Opfer nicht erschossen
- Er hatte den Schützen nicht angewiesen, das Opfer zu erschießen
- Er hatte den Laden zum Zeitpunkt des Schusses bereits verlassen
Zweite Begnadigung unter Iveys Amtszeit
Dies ist erst das zweite Mal, dass Gouverneurin Ivey seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2017 ein Todesurteil aufgehoben hat. Unter ihrer Führung wurden in Alabama 25 Hinrichtungen vollstreckt. Die Entscheidung im Fall Burton fällt in eine Zeit, in der die Todesstrafe in den USA kontrovers diskutiert wird.
Aktuelle Situation der Todesstrafe in den USA
Nach Angaben des Death Penalty Information Center (DPIC) wurden in den USA im laufenden Jahr bislang fünf Hinrichtungen durchgeführt. Die Organisation dokumentiert Todesstrafen landesweit. Die rechtliche Landschaft zeigt deutliche Unterschiede:
- In 23 der 50 US-Bundesstaaten wurde die Todesstrafe vollständig abgeschafft
- In drei weiteren Bundesstaaten – Kalifornien, Oregon und Pennsylvania – gilt ein Moratorium für Hinrichtungen
- Alabama gehört zu den Bundesstaaten, die weiterhin an der Todesstrafe festhalten
Der Fall Burton wirft grundlegende Fragen zur Anwendung der Todesstrafe auf, insbesondere bei Mittäterschaft und nach langen Haftzeiten. Die Entscheidung der Gouverneurin markiert einen bedeutenden Moment in Alabamas Justizgeschichte und unterstreicht die anhaltende Debatte um Fairness und Verhältnismäßigkeit der ultimativen Strafe.



