Spanisches Gericht: Deutsche Eltern zu Haftstrafe im Horrorhaus-Fall verurteilt
Haftstrafe für deutsche Eltern im Horrorhaus-Prozess

Das Provinzgericht in Oviedo, Spanien, hat ein deutsches Ehepaar zu einer Haftstrafe von insgesamt zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die 50-jährige Mann und die 49-jährige Frau wurden wegen psychischer Gewalt gegen ihre Kinder und Vernachlässigung in der Familie schuldig gesprochen. Vom schwerwiegenderen Vorwurf der Freiheitsberaubung wurden sie jedoch freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Haftstrafe von 25 Jahren und vier Monaten für beide Angeklagten gefordert.

Der Fall des Horrorhauses von Oviedo

Im April 2025 betrat die Polizei ein Haus am Stadtrand von Oviedo im Norden Spaniens. Was sie dort vorfanden, erschütterte selbst erfahrene Ermittler. Berge von Müll, Exkremente auf dem Boden und drei kleine Kinder, die jahrelang kaum Kontakt zur Außenwelt gehabt hatten. Der Einsatzleiter Javier Lozano sprach damals von einem „Horrorhaus“. „Eine solche Situation hatten wir hier in Oviedo noch nie“, sagte er. Die Kinder – damals achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Junge – wurden befreit, nachdem eine misstrauische Nachbarin die Polizei alarmiert hatte.

Zustand der Kinder und des Hauses

Die Kinder waren laut Polizeiangaben schmutzig, in Schlafanzügen gekleidet und schwer vernachlässigt. Sie waren deutlich unterernährt und mussten in teilweise zu kleinen Gitterbetten schlafen. Die Eltern zwangen sie, Windeln und Mundnasenmasken zu tragen, und hielten sie völlig von der Außenwelt abgeschottet. Nicht einmal in den Garten des Hauses durften sie. Die Zwillinge konnten weder lesen noch schreiben. Alle drei Kinder waren unbeweglich, gingen gebückt und hatten Schwierigkeiten, Treppen zu steigen. Einen Arzt hatten sie zuletzt 2019 in Deutschland gesehen. Die Eltern diagnostizierten und behandelten gesundheitliche Probleme selbst. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei große Mengen verschiedener Medikamente ohne ärztliche Verschreibung. Das Haus war überall mit Müll übersät, selbst unter den Betten. Inmitten von Exkrementen wurde auch eine schwerkranke Katze gefunden.

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Verteidigung der Eltern

Die Eltern beteuerten stets ihre Unschuld. Sie behaupteten, sie hätten ihre Kinder vor der Außenwelt isoliert, um sie vor einer Ansteckung mit Krankheiten wie Corona zu schützen. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht vollständig und verurteilte sie wegen der erlittenen psychischen Gewalt und Vernachlässigung.

Betreuung der Kinder nach der Befreiung

Die Kinder werden seit ihrer Befreiung von den Sozialbehörden Asturiens betreut. Nach der Verurteilung wird unter anderem erwogen, sie zur Adoption freizugeben, wie eine Justizsprecherin mitteilte. Die Behörden hatten zeitweilig geprüft, ob die Großmutter die Vormundschaft übernehmen könnte, nachdem das Gericht den Eltern das Sorgerecht entzogen hatte. Diese Option erwies sich jedoch als wenig praktikabel, da die Großeltern in die USA zurückgekehrt sind. Weitere Angehörige konnten bis zuletzt nicht ausfindig gemacht werden.

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