Schwere Justizpanne: Notruf-Audios aus Crans-Montana Brandnacht öffentlich geleakt
Justizpanne: Notruf-Audios aus Brandnacht öffentlich geleakt

Schwere Justizpanne: Notruf-Audios aus Crans-Montana Brandnacht öffentlich geleakt

Der Moment, in dem das Inferno begann: Sprühfontänen aus Champagnerflaschen entzünden die Decke der Kellerbar. Bei dem verheerenden Feuer sterben 41 Menschen, 115 weitere werden verletzt. In der Silvesternacht fleht ein Anrufer: „Meine Freunde sterben drinnen. Ich bitte dringend um Hilfe“. Es ist einer von vielen verzweifelten Notrufen aus der Todesbar „Le Constellation“ in Crans‑Montana. Zittrige Stimmen schildern das unfassbare Grauen. Doch die höchst sensiblen Audios, die ausschließlich für Rettungskräfte bestimmt waren, gelangten nun an die breite Öffentlichkeit.

Nächste schwere Panne im Ermittlungsverfahren

Es handelt sich um die jüngste gravierende Panne im Ermittlungsverfahren um die Tragödie. Die Staatsanwaltschaft Wallis forderte im Januar die Notrufe an, die zwischen 1.25 und 3 Uhr eingingen. Die Behörden hoben das Berufsgeheimnis auf und übergaben am 21. Januar einen verschlüsselten Datenträger mit den Aufnahmen an die Justiz. An der Treppe des Lokals starben die meisten Opfer, da die Extremtemperaturen wie durch einen Kamin nach oben zogen.

Retter erstatten Anzeige nach Notruf-Leak

Nur wenige Tage später tauchten die Audios plötzlich in Newsportalen auf. Persönliche Daten, detaillierte Schilderungen von Verletzungen und Worte voller Todesangst und Verzweiflung waren plötzlich für jedermann abrufbar. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft Wallis gab die Akten an die Opferanwälte weiter. Darin enthalten waren sämtliche Notrufe aus der Feuer-Nacht in Crans-Montana sowie andere Notrufe aus dem Kanton. Jetzt erstattete die kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) Anzeige gegen Unbekannt.

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Die Weitergabe verstoße gegen das Berufsgeheimnis und das Datenschutzgesetz, so die KWRO. Die Anzeige richtet sich gegen die Opferanwälte, die die Akten möglicherweise weiterreichten. Aber auch gegen die Staatsanwaltschaft und die Polizisten. Sie sollen die Audiodateien zu Crans-Montana vor der Übergabe nicht von anderen Notrufen getrennt haben.

Staatsanwaltschaft Wallis unter massivem Druck

Der Leak der sensiblen Aufnahmen ist nur das jüngste Kapitel einer Serie gravierender Verfahrensfehler. Bereits zuvor geriet die Walliser Staatsanwaltschaft massiv in die Kritik:

  • Obduktionen der Todesopfer wurden schlicht vergessen
  • Durchsuchungsbeschlüsse wurden zunächst nicht vollzogen
  • Beschuldigte blieben tagelang auf freiem Fuß und hätten Beweismaterial vernichten können

Trotz der anhaltenden Kritik konnte sich die Walliser Staatsanwaltschaft bislang erfolgreich dagegen wehren, den Fall abzugeben. Doch nun droht eine entscheidende Wende. Sollte die Strafanzeige Erfolg haben, müssten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die beteiligten Polizisten den Fall aus der Hand geben. Die Tragödie von Crans-Montana und ihre Aufarbeitung bleiben damit weiterhin im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit und juristischer Auseinandersetzungen.

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