Der Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette (67) vor dem Landgericht Verden nähert sich seinem Ende. Nachdem die Staatsanwaltschaft vor zwei Wochen ihr Plädoyer gehalten hat, stehen nun die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung an. Doch die Angeklagte selbst hat angekündigt, ebenfalls eine eigene Verteidigungsrede halten zu wollen, wie ihre Anwälte vorab mitteilten.
Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft
In dem Raubprozess gegen Klette hatte die Staatsanwaltschaft zuletzt eine Haftstrafe von 15 Jahren gefordert. Die Anklagebehörde legt der ehemaligen RAF-Terroristin unter anderem versuchten gemeinschaftlichen Mord und schweren bandenmäßigen Raub mit Waffen zur Last. Die Staatsanwältin Annette Marquardt ist überzeugt, dass Klette zusammen mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg (57) und Ernst-Volker Staub (72) zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte überfallen hat. Die Tatorte lagen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Dabei erbeutete das Trio mehr als 2,7 Millionen Euro. Nach den beiden Männern wird noch gefahndet.
Acht Überfälle bleiben im Fokus
Während des Prozesses wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft entschieden, dass fünf Raubüberfälle nicht weiter verfolgt werden. Die Verfahren würden bei einer Verurteilung nicht wesentlich ins Gewicht fallen, hieß es. Somit geht es letztlich um acht Überfälle in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Klettes Schweigen und politische Botschaften
Seit Prozessbeginn im März 2025 versucht das Gericht, die Taten zu rekonstruieren. Dies gestaltet sich schwierig, da Klette selbst zu den Überfällen schweigt. Stattdessen nutzte sie die Aufmerksamkeit für politische Botschaften, etwa zur Kritik am Kapitalismus oder an Militäreinsätzen. Umso überraschender ist ihre Ankündigung, nun selbst ein Plädoyer halten zu wollen.
Plädoyer eines Nebenklagevertreters
Zunächst wird heute das Plädoyer eines Anwalts erwartet, der einen früheren Geldtransporterfahrer vertritt. Der Mann saß bei einem versuchten Überfall am 6. Juni 2015 am Steuer eines Wagens mit rund einer Million Euro. In Stuhr nahe Bremen versuchten drei Bewaffnete, an das Geld zu gelangen. Es fielen Schüsse. Die Staatsanwaltschaft wertet den Überfall, bei dem kein Geld erbeutet wurde, als versuchten Mord. Das Gericht kam im Laufe des Prozesses jedoch zu dem Schluss, dass es die Tat wohl nicht als versuchten Mord wertet.



