Gericht in Oslo ordnet besondere Sitzordnung an
Am 19. Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) vor dem Amtsgericht in Oslo steht nicht mehr die Influencerin Nora Haukland (29) im Mittelpunkt, sondern die sogenannte "Frau aus Frogner". Diese Frau gilt als Hauptgeschädigte im Verfahren und brachte den gesamten Prozess gegen Høiby ursprünglich ins Rollen. Ihre Identität wird aus Schutzgründen nicht öffentlich gemacht.
Blickkontakt wird untersagt
In einer ungewöhnlichen Entscheidung hat das Gericht angeordnet, dass Marius Borg Høiby seiner Ex-Partnerin während ihrer Vernehmung nicht direkt in die Augen sehen darf. Die Frau hatte den Wunsch geäußert, während ihrer Aussage keinen Blickkontakt mit dem Angeklagten zu haben, da sie befürchtet, dies könnte ihre Aussage beeinflussen. Daher wird Høiby während ihrer Befragung an einem anderen Platz im Saal 250 des Gerichts sitzen, sodass kein direkter Blickkontakt möglich ist.
Staatsanwalt Henriksbø erklärte dazu: "Zwischen dieser Zeugin und Marius gab es zuvor eine längere, turbulente Beziehung. Sie möchte keinen Blickkontakt, weil sie befürchtet, dass das ihre Aussage beeinflussen könnte. In Abstimmung mit ihrem Anwalt und der Verteidigung wurde daher entschieden, dass Marius weiter vom Zeugenstand entfernt sitzt."
Anklage auf 40 Punkte erweitert
Die Anklage gegen Marius Borg Høiby wurde mittlerweile auf insgesamt 40 Punkte erweitert. Ursprünglich umfasste sie 38 Anklagepunkte, darunter Körperverletzung, Sachbeschädigung und Drohungen. Neu hinzugekommen sind zwei weitere Punkte, die sich auf den Bruch eines Kontaktverbots zur "Frau aus Frogner" beziehen. Dieses Kontaktverbot hatte Høiby kurz vor Prozessbeginn verletzt, was zu seiner aktuellen Untersuchungshaft führte.
Bei dem verbotenen Treffen soll es laut Anklage zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein, bei denen Høiby seine Ex-Partnerin beschimpft haben soll. Marius Borg Høiby hat diesen Verstoß mittlerweile gestanden.
Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Die Aussage der "Frau aus Frogner" findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich einige wenige Medienvertreter dürfen unter strengen Auflagen der Vernehmung beiwohnen und darüber berichten. Die Frau war zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Vorfalls im August 2024 die Freundin von Marius Borg Høiby und hatte ihn damals wegen Körperverletzung angezeigt.
In ihrer Wohnung im Osloer Stadtteil Frogner soll es zu einem gewalttätigen Übergriff gekommen sein, der zur Festnahme von Høiby führte. Die Zeugin wird heute zum ersten Mal in diesem Prozess vernommen.
Zustand des Angeklagten
Marius Borg Høiby, der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, befindet sich in einer belastenden Situation. Staatsanwalt Henriksbø äußerte sich zu seinem Zustand: "Es ist auch für ihn eine belastende Situation. Lange Tage, viele Informationen, viele Beweise – und vieles davon spricht gegen ihn. Bisher scheint er damit gut umzugehen."
Am Mittwochnachmittag wirkte Høiby jedoch erschöpft und abgekämpft. Zum Ende des Verhandlungstages wurde ihm sogar schlecht, sodass er den restlichen Teil der Sitzung in einem Nebenraum verbringen musste. Ob er selbst noch am heutigen Tag aussagen wird, ist ungewiss. Eigentlich ist seine Befragung zur "Frau aus Frogner" erst für Donnerstag vorgesehen.
Glaubwürdigkeit der Zeugen
Staatsanwalt Henriksbø bewertete die bisherigen Zeugenaussagen als glaubwürdig: "Wir haben Aussagen von unbeteiligten Personen gehört – Nachbarn oder Menschen, die ihnen zufällig begegnet sind. Die haben geschildert, was sie beobachtet haben. Das waren aus unserer Sicht sehr glaubwürdige Aussagen. Außerdem haben Freunde und Familienmitglieder ausgesagt. Natürlich stehen sie der betroffenen Person nahe."
Die Verteidigung scheint eine Strategie zu verfolgen, bei der Marius Borg Høiby möglichst keine Emotionen zeigen soll. Seit Prozessbeginn sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft, wenn er nicht gerade vor Gericht erscheinen muss. Das Gericht versucht, die Verhandlung so zu gestalten, dass Høiby möglichst anwesend sein kann, und gewährt ihm bei Bedarf Pausen.



