Milliarden auf dem Konto, aber Berlin vergammelt: Sanierungsstau auf Rekordhöhe
Milliarden auf dem Konto, Berlin vergammelt

Es bröckelt, es tropft, es stinkt. Der Sanierungsstau bei Berlins öffentlichen Gebäuden hat eine neue Rekordsumme erreicht: 5,5 Milliarden Euro. Betroffen sind Polizeistationen, Feuerwehrwachen, Behörden, Gefängnisse und Kulturtempel. Das Absurde daran: Auf der hohen Kante für Reparaturen liegen fast anderthalb Milliarden Euro, die einfach nicht ausgegeben werden. Diese Summe steigt sogar noch.

Kritik an der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM)

Im Visier der Kritik steht die zuständige Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Finanzsenator Stefan Evers (46, CDU) hat die Aufsicht. Seine Kontrolleure schäumen in einem Bericht über die BIM an den Rechnungshof, der BILD vorliegt: „Das schwerwiegendste Problem ist, dass über das letzte Jahrzehnt liquide Mittel angesammelt wurden, die nicht zeitnah in bauliche Maßnahmen umgesetzt wurden.“

Gefahren für Polizeibeamte

Auf dem Polizeigelände an der Friesenstraße in Kreuzberg lauern auf die Beamten besondere Gefahren von oben. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert „endlich attraktive Arbeitsplätze, um Beschäftigte zu halten und Nachwuchskräfte zu gewinnen.“

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Museum ohne Strom

Zudem wird schlampig gearbeitet: Beim populären Deutschen Technikmuseum mit über 700.000 Besuchern im Jahr drohte jetzt sogar eine monatelange Schließung – wegen eines drohenden Ausfalls der Stromversorgung. Die BIM hatte die Wartung eines Transformators hinter dem Lokschuppen nicht überwacht. Offenbar kein Einzelfall.

Falsche Fenster geplant

Dazu kommen Verzögerungen und explodierende Kosten durch krasse Fehlentscheidungen. Zwei Beispiele: Bei einer denkmalgeschützten Fassade sollten Nachbauten von Fenstern eingesetzt werden – dabei ist bekannt, dass Denkmalpfleger auf Sanierung der Originale pochen. Oder: Lüftungsanlagen wurden auf einem denkmalgeschützten Haus geplant. Nicht genehmigungsfähig, weil die Statik bis zum Keller hätte geändert werden müssen.

Mieteinnahmen füllen den Sanierungs-Topf

Vor allem Mieteinnahmen füllen den Sanierungs-Topf. Die heftig kritisierte BIM verteidigt sich: „Ansparungen sind notwendig, weil einzelne Teilbudgets zu niedrig sind für umfangreiche Maßnahmen.“ Die verrückte Folge: Obwohl das Bauen durch Krisen und Inflation teurer wurde (plus 4 Prozent Steigerung in 2025), sanken in Berlin die Ausgaben für abgerechnete Reparaturen im vergangenen Jahr gegenüber 2024 auf nur noch 347 Millionen Euro (minus 5 Prozent).

Wie jetzt mehr Gas gegeben werden soll? Bauaufträge sollen künftig schon im Vorgriff auf künftige Mieten erteilt werden.

Kaputtes Wasserrohr über Notstrom

Auch bei Berlins Universitäten gibt es einen milliardenschweren Sanierungsstau. Höhepunkt: Nach einer Begehung von Feuerwehr und Bauaufsicht wurde das Hauptgebäude der Technischen Universität (34.500 Studierende) geschlossen. Auslöser: ein marodes Wasserrohr genau über dem Sicherungskasten für den Notstrom. Dabei hat die Uni für Sanierungsarbeiten schon einen dreistelligen Millionenbetrag auf der hohen Kante. Vorlesungen und Seminare müssen jetzt verlegt oder digital angeboten werden.

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