Prozess in Norwegen: Anklage zeichnet düsteres Bild von Marius Borg Høiby
In einem aufsehenerregenden Prozess in Norwegen hat die Staatsanwaltschaft ein erschütterndes Porträt von Marius Borg Høiby gezeichnet. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit steht in 40 Punkten unter Anklage, darunter vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. Nach sechs intensiven Verhandlungswochen mit über 70 Zeugen und der Vorlage von mehr als 800 Seiten SMS-Nachrichten liegt der Fokus nun auf dem geforderten Strafmaß.
Staatsanwalt beschreibt Høiby als eifersüchtigen und respektlosen Mann
Staatsanwalt Sturla Henriksbø beschrieb den 29-Jährigen in seinem Plädoyer nicht als „Monster“, sondern als einen eifersüchtigen Mann mit mangelndem Respekt für Frauen. „Wir haben einen Mann erlebt, der sich nimmt, was er will“, zitierte die Zeitung „Verdens Gang“ aus Henriksbøs Ausführungen. Besonders unter Drogeneinfluss gerate Høiby außer Kontrolle und zeige wenig Bedenken, ob seine Handlungen von den betroffenen Frauen erwünscht seien.
Die Vorwürfe konzentrieren sich auf Situationen, in denen die Frauen während der Taten geschlafen oder ein Blackout gehabt haben sollen. Høiby soll diese Handlungen zudem gefilmt haben, wobei die Foto- und Videoaufnahmen von seinem Handy eine zentrale Rolle im Prozess spielten. Die mutmaßlichen Opfer, die laut Henriksbø glaubwürdig aussagten und die Öffentlichkeit mieden, hätten keinen Grund zu lügen gehabt.
Aggressionsprobleme und gewalttätiges Verhalten im Fokus
Der Staatsanwalt wies auf Høibys Aggressionsprobleme hin und schilderte, wie der Angeklagte in Beziehungen die Beherrschung verliere. „Er kann ausrasten, schreien, Handys und Messer werfen oder Löcher in die Wand hauen“, so Henriksbø. Zudem wurden Vorwürfe laut, dass Høiby Frauen gewürgt, geschlagen und angespuckt haben soll. Diese gewalttätigen Tendenzen unterstreichen die Anklagepunkte und tragen zur Forderung nach einem hohen Strafmaß bei.
Høiby, der in Norwegen oft als „Bonus-Prinz“ bezeichnet wird, passte seine Aussagen im Prozess laut Staatsanwaltschaft häufig an die Beweislage an oder gab an, sich nicht mehr erinnern zu können. Dies steht im Kontrast zu den detaillierten und konsistenten Schilderungen der Zeuginnen, die ihre Aussagen unter großem emotionalem Stress machten.
Entscheidung über Strafmaß steht bevor
Henriksbø betonte, dass Høiby nicht danach beurteilt werden dürfe, wer er sei, sondern was er getan habe. Mit dieser Aussage reagierte er auf Høibys eigene Darstellung als „Hassobjekt von ganz Norwegen“. Der Staatsanwalt kündigte an, sein Plädoyer fortzusetzen und das konkrete Strafmaß zu begründen, das für die mutmaßlichen Taten gefordert wird.
Der Prozess hat nicht nur rechtliche, sondern auch gesellschaftliche Implikationen, da er Fragen zu Macht, Privilegien und Gewalt gegen Frauen aufwirft. Die norwegische Öffentlichkeit verfolgt die Entwicklungen mit Spannung, während das Gericht nun über die Schuldfrage und das angemessene Strafmaß entscheiden muss.



