Norwegen: Prozess gegen Marius Borg Høiby vor dem Ende - Gefängnis für den "Bonus-Prinzen"?
Prozess gegen Norwegens "Bonus-Prinz" vor dem Ende

Prozess in Norwegen: Gefängnis für den "Bonus-Prinzen"? Fall Høiby vor dem Finale

Verstörende Details, emotionale Aussagen und viele Tränen prägten die vergangenen sechs Wochen im Gerichtssaal von Oslo. Der Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, hat das skandinavische Land tief aufgewühlt. Nun beginnen die Plädoyers, und die entscheidende Frage steht im Raum: Wie hart wird das Urteil für den Stiefsohn von Kronprinz Haakon ausfallen? Ein umfassender Rückblick auf die bewegten Verhandlungswochen.

Die schweren Vorwürfe gegen Høiby

Marius Borg Høiby steht in insgesamt 40 Punkten unter Anklage, darunter befinden sich vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. In drei dieser Fälle soll er die mutmaßlichen Opfer im Intimbereich berührt haben, während diese schliefen. Der schwerste Vorwurf bezieht sich auf einen angeblichen Geschlechtsverkehr mit einer Frau ohne deren Einwilligung. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, die Frauen heimlich gefilmt und fotografiert zu haben, ohne deren Wissen oder Zustimmung.

Die Hälfte der Anklagepunkte konzentriert sich auf eine Ex-Freundin, die in norwegischen Medien als "Frogner-Frau" bezeichnet wird. Ein Vorfall in ihrer Wohnung im August 2024 brachte die Ermittlungen gegen Høiby ins Rollen. Dort soll er die Frau gewürgt, einen Kronleuchter von der Decke gerissen und ein Messer in die Wand geschleudert haben. Die Beziehung war geprägt von Eifersucht, Beschimpfungen und heftigen Wutausbrüchen, wurde aber laut Aussagen beider Seiten auch von tiefer Zuneigung bestimmt.

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Weitere mutmaßliche Opfer und ihre Aussagen

Neben der "Frogner-Frau" haben im Laufe des Prozesses eine weitere Ex-Freundin, eine bekannte Influencerin, sowie mehrere One-Night-Stands gegen Høiby ausgesagt. Die Influencerin beschrieb eine stürmische Beziehung zwischen 2022 und 2023, in der Høiby sie mehrfach gewürgt, bedroht, getreten und mit Gegenständen beworfen haben soll. "Es fühlt sich an, als stünde ein Pitbull direkt vor dir", zitierte die Zeitung "Verdens Gang" die Frau.

Eine frühere Bekannte gab an, Høiby habe sie 2018 in der Residenz des Kronprinzenpaares im Genitalbereich berührt und gefilmt, während sie einen Blackout erlitt. Ein anderes mutmaßliches Opfer lernte der "Bonus-Prinz" während eines Surfurlaubs mit Kronprinz Haakon auf den Lofoten kennen. Nach einvernehmlichem Sex soll Høiby die Frau im Schlaf vergewaltigt haben. Ein dritter Fall betrifft eine Frau, die er im März 2024 bei einer Afterparty in Oslo traf, wo er sie ebenfalls im Schlaf berührt und gefilmt haben soll.

Ablauf des aufwühlenden Prozesses

Sechs Wochen lang wurden alle Vorwürfe gegen Høiby in teils erschütternder Detailtiefe aufgearbeitet. Stundenlang wurden mehr als 800 SMS-Nachrichten vorgelesen, und zahlreiche Zeugen kamen zu Wort:

  • Freunde, frühere Nachbarn und Familienmitglieder
  • Ein Schlafforscher, Psychologen und medizinische Experten
  • Ermittler und weitere beteiligte Personen

In jedem Fall kamen zunächst die mutmaßlichen Opfer zu Wort, bevor Høiby seine Version der Ereignisse darlegte. Gegen Ende des Prozesses wurden auch weniger schwere Vergehen behandelt, darunter zu schnelles Fahren, das Zeigen des Stinkefingers gegenüber Polizisten und der Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana für einen Dealer.

Høibys Auftreten vor Gericht

Der 29-Jährige betonte während des Prozesses immer wieder zwei zentrale Punkte: sein Gefühl, seit der Kindheit von den Medien verfolgt zu werden, und das Leiden unter der ungewollten Prominenz. Mehrfach brach Høiby in Tränen aus, besonders wenn es um seine Kindheit und die öffentliche Aufmerksamkeit ging. Während er einige Anklagepunkte wie Fälle häuslicher Gewalt zugab, bestritt er die schwersten Vorwürfe der Vergewaltigung vehement.

An manchen Stellen zeigte Høiby Reue über seinen Umgang mit Ex-Freundinnen, an anderen verstrickte er sich in widersprüchliche Aussagen oder gab an, sich aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum nicht erinnern zu können. Die Vorwürfe zeichnen das Bild eines Mannes, der seine Emotionen schwer kontrollieren kann und schnell aus der Haut fährt. Vor Gericht wirkte er jedoch überwiegend gefasst und antwortete meist ruhig und deutlich auf die Fragen der Anwälte.

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Abwesenheit der Königsfamilie

Obwohl insbesondere Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon möglicherweise Licht in einige unklare Prozessdetails hätten bringen können, blieb die gesamte Königsfamilie demonstrativ fern. Das Kronprinzenpaar hatte im Vorfeld erklärt, sich nicht zum Verfahren äußern und nicht auf der Zuschauerbank Platz nehmen zu wollen. Das norwegische Königshaus hat derzeit mit weiteren Skandalen zu kämpfen, darunter Mette-Marits umstrittene Freundschaft zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Ausblick auf das Verfahrensende

In der letzten Prozesswoche halten ab Montag, dem 16. März, die Staatsanwaltschaft, die Anwälte der Kläger und Høibys Verteidiger ihre abschließenden Plädoyers. Beobachter gehen davon aus, dass Høiby einer Haftstrafe nicht entgehen wird - allein für die Taten, die er bereits eingeräumt hat. Wie viele Jahre Gefängnis die Anklage fordern wird, soll voraussichtlich am Dienstag bekannt werden. Bis zur endgültigen Urteilsverkündung könnten jedoch noch mehrere Monate vergehen, in denen die norwegische Öffentlichkeit gespannt auf das Ergebnis dieses außergewöhnlichen Prozesses wartet.