Richterbund warnt: Dramatischer Anstieg von Asylklagen belastet deutsche Gerichte
Richterbund: Asylklagen steigen dramatisch - Gerichte überlastet

Richterbund schlägt Alarm: Asylklagen erreichen Rekordniveau

Während die Zahl der neu gestellten Asylanträge in Deutschland rückläufig ist, entwickelt sich ein anderes Problem zu einer ernsthaften Belastung für das Justizsystem. Die Klagen von abgelehnten Asylbewerbern gegen die Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nehmen dramatisch zu und überfordern die Verwaltungsgerichte.

Zahlen zeigen besorgniserregenden Trend

Die aktuellen Statistiken des Deutschen Richterbundes offenbaren einen alarmierenden Anstieg. Im Jahr 2023 wurden noch 71.885 Klagen gegen abgelehnte Schutzanträge registriert. Bereits 2024 schnellte diese Zahl auf 100.494 Fälle hoch. Im vergangenen Jahr 2025 erreichten die Eingangszahlen bei der Justiz sogar einen neuen Höchststand von 143.221 Asylklagen.

Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, warnt in den Funke-Zeitungen: „Die Rekordeingangszahlen und immer höhere Aktenbestände müssen ein letzter Weckruf für die Politik sein, jetzt endlich umzusteuern.“ Der Justiz fehlen bundesweit etwa 2000 Staatsanwälte und mehrere Hundert Verwaltungsrichter, um mit der Arbeitslast Schritt halten zu können.

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Regionale Unterschiede und Ursachen

Besonders stark betroffen ist Baden-Württemberg, wo die Zahl der Hauptsacheverfahren seit 2023 um 162 Prozent auf 22.937 Fälle gestiegen ist. In Sachsen-Anhalt verzeichnete man einen Anstieg um 155 Prozent innerhalb von zwei Jahren, in Bayern um 142 Prozent. Nordrhein-Westfalen meldet für 2025 insgesamt 22.084 Fälle – ein Plus von 56 Prozent seit 2023.

Der Richterbund sieht zwei Hauptgründe für diese Entwicklung: Das Bamf entscheidet inzwischen deutlich schneller über Asylanträge als noch 2023, gleichzeitig sind die Ablehnungsquoten gestiegen. Diese Kombination führt zu mehr negativen Bescheiden und folglich zu mehr Klagen vor den Verwaltungsgerichten.

Parallelproblem: Verschwindende Asylbewerber

Parallel zu den steigenden Klagezahlen tut sich ein weiteres Problem auf. Immer mehr Flüchtlinge verschwinden aus ihren Unterkünften und entziehen sich so möglichen Abschiebungen. Beispielhaft zeigt sich dies in Mecklenburg-Vorpommern: Seit 2022 sind dort insgesamt 671 residenzpflichtige Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen mit unbekanntem Aufenthaltsort abgängig, mit klar steigender Tendenz. 265 dieser Personen sind polizeibekannt.

CDU-Landeschef Daniel Peters (44) kommentiert die Situation: „Im Jahr 2025 wurden 246 Personen als abgängig erfasst, das entspricht nahezu einem Drittel des aktuellen Bestands der Erstaufnahmeeinrichtung.“ Diese Entwicklung erschwert nicht nur die Durchsetzung von Abschiebungen, sondern stellt auch die Behörden vor zusätzliche Herausforderungen bei der Personenverwaltung.

Die Kombination aus explodierenden Klagezahlen und verschwindenden Asylbewerbern stellt das deutsche Asylsystem vor erhebliche Herausforderungen. Während die Politik nach Lösungen sucht, arbeiten die Gerichte am Limit ihrer Kapazitäten.

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