Dreimonatiger Berufungsprozess: Nicolas Sarkozy kämpft im Libyen-Fall vor Gericht
Sarkozy: Dreimonatiger Berufungsprozess im Libyen-Fall

Dreimonatiger Berufungsprozess: Nicolas Sarkozy kämpft im Libyen-Fall vor Gericht

Seit heute steht Frankreichs ehemaliger Staatspräsident Nicolas Sarkozy (71) erneut vor Gericht. Der fast dreimonatige Mammut-Berufungsprozess dreht sich um die mutmaßliche Finanzierung seines Wahlkampfs 2007 durch Gelder aus Libyen. Die Justiz hatte im ersten Verfahren festgestellt, dass Sarkozy Mitglied einer kriminellen Vereinigung zur Beschaffung illegaler Mittel aus dem nordafrikanischen Land war. Zu jener Zeit regierte noch der Wüstendiktator Muammar Gaddafi (†69). Sarkozy war Ende September 2025 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden und legte umgehend Berufung ein.

Überraschender Auftakt ohne Carla Bruni-Sarkozy

Eine Überraschung gleich zu Beginn des Berufungsprozesses: Carla Bruni-Sarkozy (58) begleitete ihren Ehemann nicht zum Gerichtstermin. Ihr soll es gesundheitlich nicht gut gehen, wie aus Kreisen bekannt wurde, die das Paar persönlich kennen. Die Ehefrau des Ex-Präsidenten hatte Sarkozy noch im Oktober 2025 auf seinem schweren Gang ins Gefängnis begleitet, als die ursprüngliche Verurteilung vollstreckt wurde.

Zurückgezogenes Leben unter Justizauflagen

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni-Sarkozy leben seit seiner Haftentlassung im November 2025 weitgehend abgeschottet. Damals war der Ex-Präsident nach nur 20 Tagen Gefängnis auf Bewährung freigekommen, nachdem ein Berufungsgericht einer Haftverschonung zugestimmt hatte. Um die ehemalige First Lady ist es deutlich ruhiger geworden. Zwar saß sie Ende Januar bei der Haute-Couture-Week in der ersten Reihe der Schiaparelli-Show, doch die zahlreichen Instagram-Storys, in denen sie ihren Mann während der dreiwöchigen Haftzeit singend unterstützte, sind mittlerweile verschwunden.

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Die gesamte Familie durchlebt einen Spießrutenlauf unter den strengen Justizauflagen, die Sarkozy auferlegt wurden. Über die Weihnachtsfeiertage zog sich das Paar mit der gemeinsamen Tochter Giulia Sarkozy (14) für einige Tage nach Guadeloupe zurück. Die Karibikinsel gehört als französisches Überseegebiet zum Staatsgebiet und verstieß somit nicht gegen die Auflagen des laufenden Kontrollverfahrens.

Gigantische Gerichtskulisse im Palais de Justice

Das Gericht tagt im historischen Palais de Justice auf der Île de la Cité, einer Binneninsel in der Seine. Vor den kathedralengroßen Fenstern drängen sich Hunderte Pressevertreter, die den Prozess verfolgen. Sarkozy und acht der neun Mitangeklagten wirken in diesem gewaltigen Szenario geradezu winzig, während mehr als 40 Rechtsanwälte in ihren schwarzen Roben durch den Saal zu flattern scheinen. Der Ex-Präsident wird von einem Team aus drei Verteidigern vertreten, die Gerichtssäle sind bis auf den letzten Platz gefüllt.

Kampf um Ehre und Freiheit

Für Nicolas Sarkozy geht es in diesem Verfahren um alles: seine Ehre, seinen Ruf und möglicherweise um seine persönliche Freiheit. Während er auf einen Freispruch hofft, droht ihm im schlimmsten Fall eine Verurteilung zu bis zu zehn Jahren Haft. Der Präsident des Gerichts verbrachte den gesamten ersten Nachmittag damit, den ausführlichen Bericht aus dem ersten Prozess zu verlesen. Der sonst so hyperaktive Ex-Staatschef wirkte dabei fast regungslos und konzentriert.

Die Zusammenfassung der ganzen Affäre, in der auch drei Mittelsmänner aus Saudi-Arabien und Dschibuti auf der Anklagebank sitzen, liest sich teilweise fast tragikomisch. Besondere Aufmerksamkeit widmete Sarkozy den Ausführungen über den libanesischen Geschäftsmann Ziad Takieddine (†75), der als einer der wichtigsten Zeugen gegen ihn auftrat und eine zentrale Rolle in der Libyen-Affäre spielte. Das Gericht stellte klar, dass Takieddine trotz einer schweren Gehirnerschütterung nach einem Quad-Unfall Anfang der 2000er-Jahre keine psychiatrischen Störungen aufwies. Sarkozys Verteidigung hatte wiederholt versucht, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu untergraben.

Der Ex-Präsident wird sich nun bis Anfang Juni erneut verteidigen müssen – in einem juristischen Duell Auge um Auge. Für den einst mächtigsten Mann Frankreichs steht in diesem fast dreimonatigen Prozess seine gesamte politische und persönliche Zukunft auf dem Spiel.

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