Gymnasiasten simulieren Gerichtsprozess im Amtsgericht Pasewalk
Schüler spielen Gerichtsprozess nach

Normalerweise werden im Gerichtssaal III des Pasewalker Amtsgerichts echte Straffälle verhandelt – von Unfällen mit Todesfolge über Diebstahl bis hin zu Körperverletzung. Doch an einem besonderen Verhandlungstag war alles anders: Schüler des Greifen-Gymnasiums Ueckermünde und des Oskar-Picht-Gymnasiums Pasewalk spielten einen nachgestellten Gerichtsprozess. Amtsgerichtsdirektor Ralph Burgdorf berichtete dem Nordkurier, dass der Fall für das Schauverfahren angepasst wurde. „Ich musste auch die Schimpfworte ändern“, sagte er. Die Jugendlichen hätten Begriffe wie „blöde Kuh“ und „alte Sau“ aus dem 15 Jahre alten Fall als nicht mehr zeitgemäß empfunden.

Der nachgestellte Fall

Die Gymnasiastin Hannah Sauerländer übernahm die Rolle der Richterin. Sie leitete die Verhandlung, befragte die Zeugen und verkündete das Urteil. Der 17-jährige Angeklagte Leon Müller, gespielt von Ottokar Kotulla, erhielt eine Strafe von zwei Wochen Jugenddauerarrest. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass er eine Mitschülerin (Nele Andres) geschubst, zweimal ins Gesicht geschlagen und beleidigt hatte. Sie sprach von vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung. „Es ist keine Reue erkennbar“, begründete sie das Urteil. Damit folgte sie weder der Forderung des Wahlverteidigers Adam Patzkowski, der maximal eine Woche Arrest forderte, noch der Staatsanwältin Lotta Feuerheerdt, die vier Wochen Dauerarrest verlangte.

Einblick in die Gerichtsarbeit

Die Zuschauer erlebten hautnah, wie eine echte Gerichtsverhandlung abläuft: die Verlesung der Anklageschrift, die Beweisaufnahme, die Plädoyers und die Urteilsbegründung. Sie konnten auch verfolgen, wie ein junger Mensch durch schwierige familiäre Verhältnisse und die Scheidung der Eltern auf die schiefe Bahn geraten kann. Ralph Burgdorf betonte, dass einige der Jugendlichen bereits Schülerpraktika im Amtsgericht absolviert hatten und daher mit dem Gerichtssaal vertraut waren. Trotz nur drei Proben hätten die Schüler alles wunderbar gemeistert und zum Tag der offenen Tür am Gericht zwei hervorragende Schauverhandlungen präsentiert.

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Zusammenarbeit mit Schulen

Der Amtsgerichtsdirektor ist bereits mehrfach am Greifen-Gymnasium in Ueckermünde zu Gast gewesen und hat dort über das deutsche Rechtssystem und die Grundlagen des Rechtsstaats informiert. Er wünscht sich eine vertiefte Zusammenarbeit mit beiden Gymnasien. „Ideal wäre, wenn etwas regelmäßig stattfinden würde“, sagte er. Für Ottokar Kotulla, der die Rolle des Angeklagten spielte, war die Erfahrung besonders intensiv: „Es war ein bisschen komisch“, räumte er ein. Wegen der vielen Zuschauer sei er aufgeregt gewesen. Normalerweise werden Jugendstrafsachen nicht öffentlich verhandelt, erklärte Burgdorf. Trotz der Aufregung hatte den Schülern die Simulation sichtlich Spaß gemacht – und vielleicht hat der eine oder andere sogar einen Berufswunsch mit nach Hause genommen.

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