Tochter des Opfers kämpft gegen Hinrichtung: Mann soll sterben, obwohl er nicht mordete
Ein umstrittenes Justizdrama in den USA erreicht seinen Höhepunkt: Charles „Sonny“ Burton (75) soll am Donnerstag im Todestrakt von Alabama hingerichtet werden, obwohl er nachweislich keinen Mord begangen hat. Die Tochter des eigentlichen Opfers und sogar frühere Geschworene sprechen sich vehement gegen die Vollstreckung aus und appellieren an Gouverneurin Kay Ivey (81), das Leben des Mannes zu verschonen.
Drei Jahrzehnte im Todestrakt für eine Tat, die er nicht beging
Der Fall des heute 75-jährigen Burton geht auf das Jahr 1991 zurück. Damals überfielen sechs Männer einen „AutoZone“-Laden in Talladega, Alabama. Burton gesteht, bewaffnet gewesen zu sein und bei dem Raubüberfall Geld gestohlen zu haben. Doch den tödlichen Schuss auf den 34-jährigen Kunden Doug Battle feuerte ein anderer Mann ab: Derrick DeBruce.
Selbst der Generalstaatsanwalt bestätigte, dass DeBruce Battle zu Boden schlug und ihm „in den Rücken schoss“. Burton hatte den Laden zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Dennoch wurde er aufgrund der umstrittenen Felony-Murder-Regel zum Tode verurteilt – ein Gesetz, das alle Beteiligten an einem Verbrechen so behandelt, als hätten sie vorsätzlich gemordet.
Kurioses Justiz-Paradoxon: Der Mörder lebte, der Nicht-Mörder soll sterben
Besonders absurd an diesem Fall ist das Schicksal des eigentlichen Mörders. Derrick DeBruce wurde zwar zunächst ebenfalls zum Tode verurteilt, erhielt später aber nur eine lebenslange Haftstrafe und starb 2020 im Gefängnis. Burton dagegen, der lediglich als mutmaßlicher „Anführer“ des Raubüberfalls galt und nach eigenen Angaben die Schüsse „verhindert hätte“, soll nun hingerichtet werden.
„Ich sollte nicht für etwas sterben, das ich nicht getan habe“, sagte Burton in einem bewegenden Interview mit der „BBC“. Der 75-Jährige verbringt seine letzten Tage in der Hinrichtungskammer des William C. Holman Correctional Facility in Atmore, Alabama.
Opfer-Tochter wird zur Fürsprecherin des Verurteilten
In einer bemerkenswerten Wendung setzt sich ausgerechnet Tori Battle, die Tochter des getöteten Doug Battle, für Burton ein. In einem Beitrag für den „Montgomery Advertiser“ schrieb sie: „Wenn ein Leben von formalen Hürden und nicht von der Wahrheit abhängt, ist das keine Gerechtigkeit.“ Sie forderte Gouverneurin Ivey öffentlich auf, Burtons Leben zu verschonen.
Auch eine frühere Geschworene äußerte sich kritisch: „Die Todesstrafe ist zu hart für jemanden, der nicht abgedrückt hat.“ Der Generalstaatsanwalt hingegen beharrt darauf, dass das Todesurteil „längst überfällig“ sei.
Stickstoffgas als Hinrichtungsmethode
Sollte es zur Vollstreckung kommen, wäre Burton einer der wenigen Häftlinge, die durch Stickstoffgas hingerichtet werden. Diese umstrittene Methode wurde erst 2024 im Bundesstaat Alabama eingeführt. Trotz der aussichtslosen Situation gibt Burton die Hoffnung nicht auf: „Ich werde die Hoffnung niemals aufgeben – selbst wenn ich mit der Gasmaske auf dem Kopf im Stuhl sitze.“
Die Entscheidung von Gouverneurin Kay Ivey wird in den kommenden Stunden erwartet und könnte über Leben und Tod eines Mannes entscheiden, der nachweislich keinen Mord begangen hat. Menschenrechtsorganisationen und Justizexperten beobachten den Fall mit großer Sorge, da er grundlegende Fragen zur Fairness des amerikanischen Justizsystems aufwirft.



