Der ehemalige Wiesn-Chef im Rennen um das Münchner Rathaus
Für die Kommunalwahl 2026 hat sich Clemens Baumgärtner, der OB-Kandidat der CSU, ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Er will Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD schlagen und als erster CSUler seit 42 Jahren Münchner Oberbürgermeister werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der ehemalige Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef drastische Maßnahmen ergriffen.
Ein Jahr voller Entbehrungen und Disziplin
Baumgärtner hat sich für den Wahlkampf ein komplettes Jahr freigenommen und lebt seitdem von seinen Ersparnissen. Sein Alltag ist durchgetaktet: Jeden Morgen steht er um 5.30 Uhr auf, schläft nur vier bis fünf Stunden und arbeitet von Montag bis Samstag. Selbst der Sonntag als Familientag bleibt nicht ganz arbeitsfrei, denn für Presseanfragen ist er meistens erreichbar.
Die sichtbarste Veränderung ist jedoch sein Gewichtsverlust von rund 30 Kilogramm. „Ich ernähre mich fast ausschließlich von Shakes“, erklärt Baumgärtner. Manchmal mische er ein paar Beeren hinein, denn er weiß genau: Eine Breze hat fast 300 Kalorien, eine Pizza 1200, während 100 Gramm Himbeeren nur 34 Kalorien enthalten. Zusätzlich investiert er etwa 500 Euro monatlich in Abnehm-Spritzen.
Wahlkampfstrategie: Präsenz und Provokation
Baumgärtners Wahlkampf ist geprägt von intensiver Präsenz in allen Münchner Stadtvierteln:
- Tausende Hände schütteln in persönlichen Begegnungen
- Wöchentliche Pressekonferenzen an besonderen Orten
- Regelmäßige Teilnahme an Podiumsdiskussionen verschiedenster Organisationen
- Kontinuierliche Versendung von Pressemitteilungen
Seine Strategie beinhaltet auch bewusste Provokationen. So suchte er Münchens nervigste Baustelle, forderte ein Verbot von To-go-Alkohol im Univiertel, um die Maßnahme später zu kritisieren, als sie umgesetzt wurde. Beide Male schaffte er es damit in die Zeitungen.
Politische Positionen und Visionen
Baumgärtner inszeniert sich als Macher und betont seine Erfolge als Wirtschaftsreferent:
- Ansiedlung von Tech-Unternehmen in München
- Organisation von Adele-Konzerten in der Stadt
- Gewinnung der Automesse IAA für München
Im Verkehr setzt er klare Akzente: „Autofrei ist für mich ein Reizwort“, erklärt er und lehnt Experimente wie Fußgängerzonen auf der Maximilianstraße ab. Stattdessen fordert er eine weitere Tiefgarage am Isartor und eine Verdoppelung des Kommunalen Außendienstes auf 200 Stellen für mehr Sicherheit in U-Bahnen ab 18 Uhr.
Die Herausforderung: Ein etablierter Amtsinhaber
Die größte Hürde bleibt Amtsinhaber Dieter Reiter, der als beliebt und bekannt gilt. Baumgärtner kritisiert dessen Politik als zu passiv: „Das 'passt', das Reiter auf sein Plakat gedruckt hat, sei zu wenig: Ich will, dass sich etwas bewegt.“ Doch die Richtung dieser Bewegung bleibt umstritten – Kritiker befürchten eine Rückkehr zur Auto-Stadt der 80er Jahre.
Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger, der Baumgärtner seit Jahrzehnten kennt, beschreibt ihn treffend: „Er kennt kein Unentschieden. Er gewinnt oder er verliert 3:0.“ Diese Einstellung prägt seinen gesamten Wahlkampf.
Ungewisse Zukunft nach der Wahl
Was passiert, wenn Baumgärtner nicht gewinnt? Darüber wird er nur wenig konkret. Absprachen zu Koalitionen habe es keine gegeben, erklärt er knapp. Im Rathaus wird gemunkelt über mögliche Referate wie Kultur-, Kommunal- oder Mobilitätsreferat. Doch ob sich Baumgärtner nach diesem intensiven Jahr mit einer zweiten Reihe zufriedengibt, bleibt fraglich.
Am Ende entscheidet nicht sein Ehrgeiz, sondern das Wahlergebnis. Laut aktuellen Umfragen ist noch nicht ausgemacht, wer gegen Dieter Reiter in die Stichwahl kommt – Baumgärtner oder sein grüner Herausforderer Dominik Krause. Eines ist sicher: Der ehemalige Wiesn-Chef hat alles gegeben für seine Chance, Münchens Rathaus zu erobern.



