Bremer Abgeordnete löschen Instagram-Post mit Holocaust-Ausstellungsstücken
Ein inzwischen entferntes Foto auf der Social-Media-Plattform Instagram hat zwei Mitglieder der Bremer Bürgerschaft in eine unangenehme Situation gebracht. Die Vizepräsidentin des Landtags, Sahhanim Görgü-Philipp von den Grünen, und die SPD-Abgeordnete Katharina Kähler hatten sich auf dem Bild mit je einem Koffer aus einer aktuellen Holocaust-Ausstellung in der Bürgerschaft ablichten lassen, wie der „Weser Kurier“ berichtete. Ein Sprecher der Bürgerschaft stellte klar, dass es sich bei den gezeigten Koffern nicht um Originale handelt, sie jedoch symbolisch für das Thema Deportation stehen.
Entschuldigungen und Kritik aus der Politik
Görgü-Philipp äußerte sich umgehend auf ihrem Instagram-Account zu dem Vorfall: „Gestern habe ich nach der Bürgerschaftssitzung leider spontan ein unangemessenes Foto hier auf Insta geteilt. Das war dumm. Ich habe es gelöscht und bitte um Entschuldigung dafür.“ Auch Kähler soll das Foto auf ihrem Account veröffentlicht haben. Sie erklärte gegenüber dem „Weser Kurier“, dass es sich um einen „völligen Augenblicksaussetzer“ gehandelt habe, und betonte: „Das Ganze tut mir aufrichtig leid.“ Für die Deutsche Presse-Agentur war sie zunächst nicht erreichbar.
Die Präsidentin der Bürgerschaft, Antje Grotheer, übte deutliche Kritik an der Veröffentlichung des Fotos: „Das ist vollkommen unangemessen.“ Beide Abgeordnete hätten sich am Freitagvormittag persönlich bei ihr gemeldet und um Entschuldigung gebeten. Die Reaktion zeigt die Sensibilität des Themas in der politischen Landschaft Bremens.
Hintergrund der umstrittenen Ausstellung
Die Ausstellung, in der das Foto entstand, trägt den Titel „Das Unvorstellbare zeigen – Comics gegen das Vergessen“. Es handelt sich um eine Graphic Novel-Ausstellung, in der Comiczeichner künstlerisch das Leben in Konzentrationslagern aufarbeiten. Die Koffer, mit denen die Abgeordneten posierten, sind Teil dieser Installation und dienen als symbolische Erinnerung an die Deportationen während des Holocausts. Die Ausstellung zielt darauf ab, das historische Geschehen durch moderne künstlerische Mittel zugänglich zu machen und das Bewusstsein für diese dunkle Zeit der Geschichte zu schärfen.
Dieser Vorfall unterstreicht die Herausforderungen, die mit der Nutzung sozialer Medien durch Politiker verbunden sind, insbesondere bei sensiblen Themen wie dem Holocaust. Die schnellen Entschuldigungen der beteiligten Abgeordneten und die klare Stellungnahme der Bürgerschaftspräsidentin zeigen, dass in Bremen ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein in solchen Angelegenheiten herrscht. Dennoch bleibt die Frage, wie solche Fehltritte in Zukunft vermieden werden können, um die Würde der Opfer angemessen zu wahren.



