Clemens Baumgärtner: Pragmatiker und Scharfmacher im Münchner OB-Rennen
Am 8. März 2026 wählt München einen neuen Oberbürgermeister. Die AZ stellt die aussichtsreichsten Kandidaten vor. Heute im Fokus: Clemens Baumgärtner von der CSU, der als Pragmatiker und Scharfmacher bekannt ist und in den kommenden Jahren im Schottenhamel anzapfen möchte.
Privatleben und persönlicher Hintergrund
Clemens Baumgärtner wurde am 14. Juli 1976 im Münchner Stadtteil Sendling geboren. Im Wahlkampf betont er häufig, dass er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter aufwuchs und die Familie sich vieles hart erarbeiten musste. Er ist verheiratet mit seiner Frau Stefanie und hat zwei Kinder. Ein kurioses Detail: Baumgärtner verlor im Wahlkampf 20 Kilogramm Gewicht, wozu er nach eigenen Angaben auch eine Abnehmspritze verwendete.
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Nach dem Abitur studierte Baumgärtner Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität München und arbeitete anschließend als Wirtschaftsanwalt. Aktuell ist er nicht berufstätig, sondern hat sich ein ganzes Jahr ausschließlich für den OB-Wahlkampf Zeit genommen, wovon er nach eigenen Aussagen von Erspartem lebt.
Politische Karriere und Stationen
Bereits mit 20 Jahren zog Baumgärtner für die CSU in den Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching ein, dessen Vorsitz er von 2012 an innehatte. Stadtrat war er nie, doch 2018 wurde er als Nachfolger von Josef Schmid zum Wirtschaftsreferenten und Wiesn-Chef ernannt. Nachdem die CSU nicht mehr an der Stadtrats-Koalition beteiligt war, blieb ihm eine zweite Amtszeit verwehrt. Grün-Rot wählte stattdessen Christian Scharpf (SPD) am 23. Oktober 2024 zu seinem Nachfolger. Besondere Aufmerksamkeit erregte Baumgärtner durch die Organisation der Großkonzerte von Adele auf dem Messegelände in Riem.
Politische Positionen und Wahlkampfstrategie
Baumgärtner gilt im Rathaus als sehr fleißig, aber auch als Scharfmacher und gesellschaftspolitisch konservativ. Im Wahlkampf setzt er auf Wirtschaftsförderung und Law and Order, fordert beispielsweise deutlich mehr Kameraüberwachung in der Stadt. Er präsentiert sich als Pragmatiker, der besonders gegen die aus seiner Sicht ideologischen Grünen polemisiert und verspricht, München "wieder in Ordnung" zu bringen – mit weniger "Geister-Baustellen" und weniger Müll.
Kritik und kontroverse Momente
Innerhalb der CSU ist im Vorfeld der Wahl keine Kritik an Baumgärtner zu vernehmen. Ökologisch engagierte Münchner fühlen sich jedoch oft provoziert, etwa durch die Bereitstellung öffentlicher Flächen für die IAA während seiner Amtszeit oder durch die Nichtzulassung des Herzkasperl-Zelts auf der Oidn Wiesn, als er Oktoberfest-Chef war.
Kurioses und überraschende Facetten
Ausgerechnet Baumgärtner, der keine Gelegenheit für Breitseiten gegen grüne Ideologien auslässt, organisierte und moderierte in seinem Bezirksausschuss viele Jahre lang geräuschlos eine Mehrheit aus Grünen und CSU. Diese Fähigkeit zur Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg stellt eine überraschende Facette seines politischen Profils dar.



