Ramona Fischer: Die dienstälteste Pressesprecherin Brandenburgs geht in den Ruhestand
Dienstälteste Pressesprecherin Brandenburgs geht in Ruhestand

Drei Jahrzehnte im Dienst der Uckermark: Ramona Fischer verabschiedet sich

Seit dem 1. Juni 1992 steht Ramona Fischer (67) als Pressesprecherin für den Landkreis Uckermark in der Öffentlichkeit. Mit dieser beeindruckenden Dienstzeit gilt die Prenzlauerin wohl als dienstälteste Pressesprecherin aller brandenburgischen Landkreise. In diesem Jahr wird die erfahrene Kommunikationsexpertin jedoch definitiv in den wohlverdienten Ruhestand treten – allerdings erst nach der anstehenden Landratswahl am 19. April, die noch turbulente Wochen verspricht.

Vom Studium in Bratislava zur Verwaltungsspitze

Ihre berufliche Reise begann weit entfernt von der Uckermark: Nach dem Abitur an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Halle studierte Ramona Fischer Slawistik im slowakischen Bratislava. „Ein Muttersprachler paukte mit uns Slowakisch, damit wir das Studium bewältigen konnten und im Alltag klarkamen“, erinnert sie sich an diese prägende Zeit. Fünf Jahre verbrachte sie in der Tschechoslowakei, die sie nicht missen möchte: „Dort habe ich viel fürs Leben gelernt.“

Nach ihrem Diplomstudium für Slowakische Sprache und Literatur sowie einem Zusatzstudium Deutsch als Fremdsprache kehrte sie in die Heimat zurück. Über ihre Schwester erfuhr sie 1985 von einer Stelle bei der Betriebszeitung des Petrolchemischen Kombinats (PCK) Raffinerie Schwedt – ihr Einstieg in die Medienlandschaft.

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Neuanfang in turbulenten Zeiten

Die politische Wende 1990 stellte das gesamte Leben auf den Kopf. Als das PCK 1992 privatisiert wurde, stand die Zukunft aller Mitarbeiter auf wackligen Füßen. Für die damals 33-Jährige öffnete sich jedoch eine neue Perspektive: Sie wurde die erste Pressesprecherin im Landkreis Prenzlau, der später in der Uckermark aufging.

Die Herausforderungen des Neuanfangs waren immens: „Aus drei Landkreisen und einer Stadt einen einzigen Landkreis – einschließlich aller Ämter und technischen Einrichtungen – zu machen, brachte auch Verletzungen, Verlust von Selbstbestimmung mit sich“, beschreibt Fischer die schwierige Konsolidierungsphase. Die Uckermark wurde zum flächenmäßig größten Landkreis Deutschlands, mit weiten Entfernungen und begrenzter Infrastruktur: Es gab noch keine Handys, selbst Telefone waren nicht überall verfügbar.

Vier Landräte, ein konstantes Prinzip

In ihrer langen Dienstzeit arbeitete Ramona Fischer mit vier verschiedenen Landräten zusammen: Dr. Joachim Benthin (CDU, 1993-2002), Klemens Schmitz (SPD, 2002-2010), Dietmar Schulze (SPD, 2010-2018) und seit 2018 mit Karina Dörk (CDU), der ersten Frau an der Verwaltungsspitze der Uckermark.

Trotz der politischen Wechsel und unterschiedlichen Persönlichkeiten machte sich Fischer nie Sorgen um ihren Arbeitsplatz: „Innerlich hatte ich immer einen persönlichen Plan B. Da hatte ich bei Landratswahlen keine Angst. Dafür gab es schon zu viele Umbrüche.“ Ihre Unabhängigkeit betont sie deutlich: „Ich gehöre keiner Partei an. Mein Anspruch war immer, mich nicht verbiegen zu müssen. Was ich der Öffentlichkeit vermittle, muss stimmen, falsche Auskünfte gebe ich nicht.“

Herausforderungen und Wünsche für die Zukunft

Über drei Jahrzehnte hinweg begleitete Fischer zahlreiche Herausforderungen: vom Hochwasser 1997 über die Gemeindegebietsreform 2000-2003 bis hin zur Corona-Pandemie. Bis heute belasten strukturelle Probleme die Region: Abwanderung, Überalterung in den Dörfern, Rückzug von Post, Banken und medizinischer Versorgung aus der Fläche.

Ihr größter Wunsch: „Ich wünsche mir wieder mehr Verständnis untereinander. Gerade, wenn es kompliziert wird. Nach außen ist oft nicht sichtbar, was besonders in den Ämtern mit direkten Bürgerkontakten geleistet wird. Keiner ist fehlerfrei, doch mit gegenseitigem Respekt kommen alle weiter.“

Erleichtert blickt sie auf das gescheiterte Reformprojekt „BARUM“ von 2017 zurück: „Man kann nicht nur an Kosten und Einsparungen denken, es geht immer um Menschen.“

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Abschied nach der Landratswahl

Noch weiß Ramona Fischer nicht, was nach der Landratswahl am 19. April auf sie zukommt. Pläne für den Ruhestand hat sie bewusst noch nicht geschmiedet. Nur eines steht für die 67-Jährige fest: „Ich werde definitiv in diesem Jahr meinen Ruhestand antreten“, versichert sie mit einem Lächeln. Damit endet eine außergewöhnliche Karriere, die Verwaltungsgeschichte Brandenburgs maßgeblich mitgeprägt hat.