Dieter Reiter: Der Mann, der München prägt
Am 8. März 2026 steht München vor einer wichtigen Entscheidung: Die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten befindet sich Dieter Reiter von der SPD, der bereits seit 2014 das höchste Amt der Stadt innehat und nun für eine dritte Amtszeit kandidiert. Die AZ stellt den Politiker im Detail vor – von seinem Privatleben über seine berufliche Laufbahn bis hin zu seinen politischen Überzeugungen.
Privatleben: Vom Lech nach München
Dieter Reiter wurde 1958 in Rain am Lech geboren, zog jedoch bereits im Alter von zwei Jahren nach München. Aufgewachsen ist er in einer Genossenschaftswohnung auf der Schwanthalerhöhe, was seine Verbundenheit zur Stadt früh prägte. Er ist mit Petra Reiter verheiratet, beide sind in zweiter Ehe miteinander verbunden und haben drei erwachsene Kinder sowie Enkelkinder. In seiner Freizeit greift Reiter gerne zur E-Gitarre und nennt als Lieblingsalbum "Brothers in Arms" von den Dire Straits. Ein besonderes Detail aus seiner Jugend: Sein erstes Auto war ein knallgelber Ford Escort, der ihm bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Ausbildung und Beruf: Eine Karriere in der Stadtverwaltung
Reiters beruflicher Werdegang ist eng mit der Münchner Stadtverwaltung verknüpft. Als studierter Verwaltungswirt trat er 1981 in den Dienst der Stadt ein und durchlief verschiedene Positionen. Bis zum Jahr 2000 war er in der Stadtkämmerei tätig, zuletzt als Büroleiter und Pressesprecher. Anschließend leitete er von 2001 bis 2005 das Kassen- und Steueramt, bevor er bis 2009 als stellvertretender Stadtkämmerer wirkte. Im April 2009 wurde er zum Wirtschaftsreferenten unter Oberbürgermeister Christian Ude gewählt und übernahm in dieser Funktion auch die Leitung des Oktoberfests, was ihm den Spitznamen "Wiesn-Chef" einbrachte.
Politische Karriere: Vom Verwaltungsbeamten zum Oberbürgermeister
Dieter Reiters politische Laufbahn unterscheidet sich von der vieler prominenter Politiker. Obwohl er SPD-Mitglied war, spielte er innerhalb der Partei lange keine herausragende Rolle und bekleidete keine politischen Ämter. Seine Entdeckung verdankt er Christian Ude, der ihn förderte und als Nachfolger vorschlug. Innerhalb der Münchner SPD setzte sich Reiter gegen Mitbewerber wie Alexander Reissl und Brigitte Meier durch und trat 2014 erstmals als Oberbürgermeisterkandidat an. In der Stichwahl siegte er mit 56,7 Prozent der Stimmen gegen den CSU-Kandidaten Josef Schmid. Bei der Wahl 2020 verteidigte er sein Amt mit einem deutlichen Ergebnis von 71,7 Prozent gegen Kristina Frank von der CSU.
Politische Positionen: Pragmatismus und Bürgernähe
Reiter versteht sich selbst als Pragmatiker, der sich von ideologischen Positionen distanziert und stattdessen auf praktische Lösungen setzt. Er positioniert sich klar gegen rechtsextreme Tendenzen, betont aber im Alltag seine Rolle als Problemlöser für die Bürger. In der Tradition von Schorsch Kronawitter sieht er sich als "Oberbürgermeister der kleinen Leute". Ein Beispiel für sein Engagement ist der von ihm erlassene Mietenstopp für Mieter der städtischen Wohnungsgesellschaft. Gleichzeitig äußert er Sorge um das Lebensgefühl in München und wünscht sich das entspannte Miteinander aus den 80er und 90er Jahren zurück. Interessant ist auch seine Distanzierung von Positionen der Bundes-SPD: Vor der Bundestagswahl 2025 sprach er sich öffentlich gegen Bundeskanzler Olaf Scholz und für eine Kanzlerkandidatur von Boris Pistorius aus.
In der Kritik: Interne Konflikte und Beliebtheit
Innerhalb des Rathauses wird Reiter gelegentlich kritisiert, weil er sich wenig um die Moderation interner Konflikte kümmere und stattdessen öffentlich über die Verwaltung schimpfe, deren Leiter er ist. Dennoch bleibt die Kritik aus den eigenen Reihen der Münchner SPD gering, da es Reiter gelungen ist, die Partei geschlossen hinter sich zu versammeln. Seine Beliebtheit in der Bevölkerung hat durch solche internen Diskussionen keinen Schaden genommen, und Skandale sind während seiner Amtszeit ausgeblieben.
Kurioses: Ein Name mit Geheimnis
Ein wenig bekanntes Detail: Dieter Reiter heißt eigentlich Franz Dieter Reiter. Dieser volle Name dürfte nur wenigen Bürgern bekannt sein und unterstreicht die persönliche Seite des Politikers, der trotz seiner langjährigen Präsenz in der Öffentlichkeit immer noch Überraschungen parat hält.



