Dieter Reiters FC-Bayern-Job: Neue Fragen zu Vergütung und Aufsichtsratsmitgliedschaft
Dieter Reiters FC-Bayern-Job: Neue Fragen zu Vergütung

Dieter Reiters FC-Bayern-Job: Neue Fragen zu Vergütung und Aufsichtsratsmitgliedschaft

Für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter entwickelt sich die Angelegenheit um seinen Aufsichtsratsposten beim FC Bayern zu einem anhaltenden politischen Sturm. Nachdem zunächst Unklarheit über seine Mitgliedschaft bestand, werden nun zusätzliche Fragen zu möglichen Vergütungen laut.

Neue Anfrage der Linken zu Vergütungszahlungen

In den kommenden Tagen könnte ein weiterer Aspekt in den Vordergrund rücken: Die Frage nach bereits bezahlter Vergütung für Reiters Sitz im Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Die Linke im Münchner Stadtrat hat für Donnerstag eine offizielle Anfrage dazu angekündigt, wodurch das Thema offiziell im Rathaus angekommen ist.

"Dieter Reiter hat zwar erst eine Sitzung als Aufsichtsrat der FC Bayern AG gehabt, aber im Verwaltungsrat sitzt er bereits seit Jahren", heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion. "Auch diese Tätigkeit wird in der Regel entlohnt."

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Die Linke verweist darauf, dass der ehemalige Bürgermeister Josef Schmid laut ihren Informationen 20.000 Euro im Jahr für vergleichbare Tätigkeiten erhalte. "Sollte Reiter den gleichen Betrag erhalten haben, wäre dies eine weitere Missachtung des Stadtrats", betont die Fraktion in ihrer Mitteilung.

Widersprüchliche Aussagen zur Aufsichtsratsmitgliedschaft

Die Entwicklung begann mit einem denkwürdigen Polit-Mittwoch, an dem zunächst viele Fragen offen blieben. Oberbürgermeister Reiter hatte zunächst argumentiert, er sehe keinen Interessenskonflikt und nehme das Amt als Privatmann wahr. Zu den Bezügen als Aufsichtsrat gab es gesicherte Werte: 2022 erhielt beispielsweise der ehemalige Audi-Chef Markus Duesmann 99.860 Euro – deutlich mehr, als für einen Oberbürgermeister ohne Genehmigung erlaubt wäre.

Reiters Argumentation am Morgen der Stadtratssitzung: "Ich kann nicht sagen, wie hoch die Vergütung ist. Das war nicht meine erste Frage." Er betonte, er sei derzeit nicht im Handelsregister eingetragen und habe in der ersten Sitzung nur als Gast teilgenommen.

Dokumente widerlegen Reiters Darstellung

Doch Linken-Chef Stefan Jagel präsentierte in der Sitzung ein Dokument mit der Überschrift "Liste des Aufsichtsrats", datiert auf den 23. Februar 2026, auf dem auch Dieter Reiters Name steht – in einer Reihe mit den acht anderen Aufsichtsratsmitgliedern. Das Münchner Amtsgericht bestätigte der AZ am Mittag, dass es sich dabei genau um die Liste handelt, die dem Registergericht übermittelt wurde.

Eine Bekanntmachung auf dem Registerportal verriet, dass dem Amtsgericht München eine neue Liste der Aufsichtsratsmitglieder übermittelt wurde. Laut Satzung des FC Bayern müssen alle Mitglieder des Aufsichtsrats von der Hauptversammlung gewählt werden.

Politische Reaktionen und Vertagung der Debatte

Die vielen offenen Fragen hatten Die Linke und die ÖDP dazu gebracht, mehrere Dringlichkeitsanträge zu stellen. Doch nicht nur die Rechtsabteilung des Rathauses, auch eine Mehrheit des Stadtrats sah keinen Anlass für eine sofortige Behandlung.

Nur die Grünen mit Volt und Rosa Liste, ÖDP und München-Liste, Die Linke und Die Partei sowie die AfD stimmten dafür, über die Anträge zu diskutieren. SPD, CSU mit Freien Wählern, FDP und Bayernpartei erwirkten mit ihrer Mehrheit die Vertagung der Debatte in die nächste Sitzung.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl erklärte sein Abstimmungsverhalten damit, dass der Stadtrat noch kaum etwas Offizielles wisse. "Natürlich hätte man vier Tage vor der Wahl ein großes Bohei machen können", sagte Pretzl. "Ich glaube, dass eine Auseinandersetzung auf Basis von Mutmaßungen nur Parteien nützt, die wir hier alle nicht in größerer Stärke haben wollen."

Reiters spätes Eingeständnis und scharfe Kritik

Am Nachmittag folgte dann die überraschende Wendung: Der FC Bayern, der Tage zuvor entsprechende Anfragen unbeantwortet gelassen hatte, antwortete auf erneute Nachfrage: "Dieter Reiter ist von der Hauptversammlung der FC Bayern München AG als Mitglied des Aufsichtsrates bestätigt worden und hat an einer Aufsichtsratssitzung der FC Bayern München AG am 23. Februar 2026 teilgenommen."

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Zwei Minuten später versendete das Büro des Oberbürgermeisters eine Mail mit einem Statement Reiters: "Den Vorwurf der Lüge weise ich aufs Schärfste zurück!" stand dort dick gefettet.

Doch Reiter gab in den folgenden Zeilen doch zu, bereits Mitglied des Aufsichtsrats zu sein: "Ich habe vom FC Bayern gestern die Auskunft erhalten, dass das Protokoll der Hauptversammlung zu meiner Wahl als Aufsichtsratsmitglied noch nicht beim Registergericht eingereicht wurde." Er wurde also bereits in den Aufsichtsrat gewählt – bevor der Stadtrat damit befasst wurde.

ÖDP-Chef Tobias Ruff kritisierte Reiters Verhalten scharf: "Er hat heute alle belogen und behauptet, er sei nur als Gast bei der Aufsichtsratssitzung der FC Bayern AG dabei gewesen." Linken-Chef Jagel erinnerte daran: "Jeder Müllmann muss 50 Euro zu Weihnachten angeben. Das kann doch niemand nachvollziehen, warum das für einen Oberbürgermeister nicht gelten soll."

Reiter versicherte abschließend: "Sollte für diese erste Sitzung eine Vergütung bezahlt werden, werde ich diese selbstverständlich nicht annehmen." Vor der nächsten Sitzung werde er den Stadtrat im Detail damit befassen – allerdings erst nach der Kommunalwahl.