Disziplinarverfahren gegen Münchens Oberbürgermeister im Raum
Der Wirbel um die Nebentätigkeit von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter beim FC Bayern München nimmt neue Dimensionen an. Wie nun bekannt wurde, prüft die Regierung von Oberbayern die Einleitung eines offiziellen Disziplinarverfahrens gegen den SPD-Politiker. Diese Entwicklung folgt auf jüngste Enthüllungen, die erhebliche Zweifel an der Wahrheitsliebe des Stadtoberhaupts aufkommen lassen.
Unstimmigkeiten bei Nebeneinkünften offengelegt
Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte am vergangenen Donnerstag eingeräumt, seit dem Jahr 2021 jährliche Nebeneinkünfte in Höhe von 20.000 Euro vom FC Bayern München für seine Position im Verwaltungsbeirat des Fußballclubs erhalten zu haben. Gemäß den geltenden Vorschriften hätte diese Nebentätigkeit jedoch einer Genehmigung durch den Münchner Stadtrat bedurft. Bis zum Jahr 2025 waren sämtliche Nebeneinkünfte ab dem ersten Euro genehmigungspflichtig, während aktuell eine Grenze von 10.000 Euro pro Jahr gilt.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Reiter: "Dass dadurch eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre, war mir nicht bewusst. Ich kann mir aber auch kaum vorstellen, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit unterbunden hätte." Bereits am Mittwoch hatte der Oberbürgermeister im Stadtrat erreicht, dass die Debatte über seine Nebentätigkeiten vertagt wurde, mit der Begründung, der Sachverhalt müsse zunächst juristisch geprüft werden.
Widersprüchliche Anweisungen an Referenten
Neue Dokumente belegen nun jedoch einen eklatanten Widerspruch in Reiters Verhalten. Der AZ liegt ein persönlich unterzeichneter Brief des Oberbürgermeisters vor, datiert auf den 3. Februar 2026, in dem er seine Referenten ausdrücklich auffordert, Vergütungen aus Nebentätigkeiten zu melden - sofern diese 10.387,74 Euro im Jahr übersteigen. "Eine entsprechende Meldung (...) bitte ich mir, möglichst bis zum 20.3.2026 zuzuleiten", heißt es in dem Schreiben.
Besonders pikant: Nur vier Tage nach diesem Schreiben teilte der FC Bayern München mit, dass Dieter Reiter zum Chef des Verwaltungsbeirats ernannt werde. Gemäß der Vereinssatzung ist diese Position automatisch mit einem Sitz im Aufsichtsrat verbunden, wo Reiter neben dem ehemaligen Präsidenten Uli Hoeneß fungiert.
Politische Konsequenzen zeichnen sich ab
Die politischen Folgen dieser Enthüllungen bleiben nicht aus. Die Linke reichte bereits am Freitag eine offizielle Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern ein, der Aufsichtsbehörde für das Münchner Rathaus. Diese Behörde hatte sich zunächst zurückhaltend gezeigt und auf eine interne Prüfung durch die Stadtverwaltung verwiesen, änderte jedoch nach Reiters Presseerklärung ihre Haltung.
In einer aktuellen Stellungnahme erklärte die Regierung von Oberbayern: "Mit dem gestrigen Pressestatement von Herrn Oberbürgermeister Dieter Reiter liegen nun neue Tatsachen vor, die die Regierung von Oberbayern zum Anlass nimmt, die Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu prüfen."
Mögliche Disziplinarmaßnahmen
Fachleuten zufolge könnten im Falle eines Disziplinarverfahrens verschiedene Sanktionen gegen den Oberbürgermeister verhängt werden. Thomas Spitzlei, Professor für Öffentliches Recht, schätzte gegenüber der AZ ein, dass mögliche Disziplinarmaßnahmen beispielsweise eine Geldbuße oder eine befristete Kürzung der Dienstbezüge umfassen könnten.
Die Entwicklung stellt einen weiteren Tiefpunkt in der bereits seit Tagen anhaltenden Kontroverse dar und wirft grundsätzliche Fragen zur Transparenz und Regelkonformität von Nebentätigkeiten bei öffentlichen Amtsträgern auf. Die politischen Beobachter in der bayerischen Landeshauptstadt erwarten mit Spannung die weiteren Entscheidungen der Aufsichtsbehörde.



