Unverständnis und Sorge in Friedland: Feuerwehr-Affäre belastet Kleinstadt
Friedländer Feuerwehr-Affäre: Unverständnis und Sorge

Unverständnis und Sorge: So denken Friedländer über die Feuerwehr-Affäre

Dunkel und verschlossen stand das Friedländer Feuerwehrhaus am vergangenen Sonnabend da. Dabei hätte zu dieser Zeit eigentlich das traditionelle Weihnachtsbaumverbrennen stattfinden sollen – eine Veranstaltung, die in den vergangenen Jahren bis zu 400 Besucher anzog. Stattdessen herrschte trübe Februar-Stimmung in der Kleinstadt, während vereinzelte Gassigänger mit Hunden durch den Schneeregen schlurften.

Umfrage zeigt tiefe Verunsicherung

Der Nordkurier hat in einer stichprobenartigen Umfrage am Wochenende nachgefragt, wie die Einheimischen den anhaltenden Disput zwischen Bürgermeister Frank Nieswandt (Die Linke) und Wehrführer Stephan Drews bewerten. Das Ergebnis: Neun von zehn Einwohnern haben mittlerweile Kenntnis von dem Vorgang und eine Meinung dazu. Doch öffentlich äußern wollten sich nur drei der befragten Friedländer – viele fürchten offenbar, sich in dem Kleinstadt-Konflikt zwischen zwei der wichtigsten Männer zu exponieren.

Annette Engel (59) aus Friedland sagte deutlich: „Wir haben schon keine Feuerwehrleute und dann noch eine solche Aktion. In meinen Augen hat Herr Drews alles richtig gemacht. Wenn die Feuerwehr nicht wäre, wäre das Rathaus am Ende. Herr Drews soll wiederkommen.“

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Christine Zuther (53) bedauerte den Ausfall des Tannenbaumverbrennens: „Die Feuerwehr macht neben ihren Einsätzen auch Feierlichkeiten, damit in Friedland ab und zu mal was los ist.“ Das traditionelle Verbrennen habe sie immer gut gefunden, „damit nicht so viel Müll anfällt“. Sie schätzt ein: „Stephan Drews hat seine Arbeit bisher immer korrekt erledigt.“

Sebastian Peters (38) betonte die Bedeutung der Feuerwehr: „Die Feuerwehr brauchen wir hier. Wenn wir die nicht hätten, würde das im Chaos enden.“ Mit dem Tannenbaumverbrennen sei nun schon die erste Feuerwehr-Veranstaltung ausgefallen, was schade sei. Mehr könne und wolle er zu dem Thema nicht sagen, schon gar nicht auf den Clinch zwischen Bürgermeister und Wehrleiter eingehen.

Schweigen aus Angst vor Konflikten

Viele Friedländer wollen sich lieber nicht aus dem Fenster lehnen: Über den Streit reden sie zwar, aber mit Namen und Foto möchten sie besser nicht in Verbindung gebracht werden. Eine Frau um die 60 sagte etwa: „Traurig, traurig.“ Sie finde die Vorgehensweise des Bürgermeisters „nicht okay“, wolle sich aber „nicht an Spekulationen beteiligen“ und schon gar nicht namentlich Stellung beziehen. Zumal es schwer bis unmöglich sei, sich eine abschließende Meinung zu bilden, solange der Grund des Disputs ein Geheimnis bleibt.

Offene Fragen und wachsende Sorge

Dies war der Tenor aller Umfrageteilnehmer: Sie möchten wissen, was genau Bürgermeister Nieswandt seinem ehrenamtlichen Feuerwehrchef vorwirft und warum er keine andere als die drastische Möglichkeit der vorläufigen Entfernung desselben sieht. Ferner verstehen die meisten nicht, warum die Kontrahenten das Problem nicht an einem Tisch aus dem Weg räumen, stattdessen vieles öffentlich ausgetragen wird, ohne aber das Kind beim Namen zu nennen.

Darüber hinaus schwang bei allen die Sorge um die Zukunft der Feuerwehr mit, denn ohne funktionierende Wehrleitung, das ist allen klar, steht die Truppe auf wackligen Beinen. Bereits jetzt haben Feuerwehrleute ihren Rücktritt angekündigt, und der kommissarische Stellvertreter legte aufgrund der plötzlichen Verantwortung sein Amt nieder.

Affäre beschäftigt auch soziale Medien

Auf der Facebook-Seite des Nordkurier wird die Friedländer Feuerwehr-Affäre seit Wochen ebenfalls kommentiert. Vor allem Auswärtige äußern sich öffentlich auf der Internet-Plattform. Klaus-Dieter Hoppe kommentierte: „So kann man doch nicht mit seiner ehrenamtlichen Feuerwehr umgehen, das ist eine Schande für diese Stadt.“ Chris Dali schlug vor: „Dann soll die gesamte Feuerwehr aus Solidarität austreten.“ Norbert Bürger merkte an: „Diese Art von Personaldiskussion gehört nicht in die Öffentlichkeit“, und Steffen Wolters forderte: „Streiken!“

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Hintergrund des anhaltenden Streits

Anfang Dezember hatte Bürgermeister Nieswandt den Gemeindewehrführer Stephan Drews und dessen Stellvertreter von ihrem Dienst in der Feuerwehr entbunden und in einer Pressemitteilung „interne disziplinarische Prüfungen“ als Grund angegeben. Seither schlagen die Wellen hoch – Gericht, Polizei und weitere Behörden wurden beschäftigt. Das Ende der Auseinandersetzung ist nicht abzusehen, und nähere Informationen über die Ursache des Disputs wurden bisher nicht öffentlich gemacht.

Ob das abgesagte Weihnachtsbaumverbrennen mit der Fehde zwischen Nieswandt und Drews zu tun hat, bleibt ebenfalls unklar. Offiziell wurden „organisatorische Gründe“ genannt. Doch für viele Friedländer ist klar: Die Feuerwehr-Affäre belastet nicht nur das Verhältnis zwischen Rathaus und Wehr, sondern das gesamte Gemeindeleben.