Ueckermünde: Gewalttätige Vorfälle überschatten Bürgermeisterwahlkampf
Der laufende Bürgermeisterwahlkampf in Ueckermünde, der für den 12. April 2026 angesetzt ist, wird von einer beunruhigenden Serie gewalttätiger Vorfälle überschattet. Dies ist nicht das erste Mal, dass politische Auseinandersetzungen in der Haff-Stadt für Schlagzeilen sorgen. In den vergangenen Jahren kam es bereits wiederholt zu Zwischenfällen gegen Kommunalpolitiker, die nun im aktuellen Wahlkampf eine neue Eskalationsstufe erreicht haben.
Aktuelle Vorfälle im Wahlkampf
Im Januar wurde das neu eröffnete Bürgerbüro von Bürgermeisterkandidat Karsten Berndt (parteilos) in der Altstadt beschädigt. Unbekannte schlugen Scheiben von Tür und Fenster ein und verursachten einen Schaden von rund 5000 Euro. Zusätzlich wurden seine Autoreifen zerstochen. Der wohl schwerwiegendste Vorfall war ein mutmaßlicher Brandanschlag auf Berndts Wohnhaus, der ebenfalls im Januar stattfand. Im Zuge dieser Ereignisse wurden Bürgermeister Jürgen Kliewe (parteilos) und Stadtpräsident Robert Kriewitz (Gemeinsam für Ueckermünde) zu polizeilichen Vernehmungen vorgeladen. Die Ermittlungen laufen noch.
Am vergangenen Wochenende meldete Bürgermeisterkandidat Meik von Deetzen (parteilos) aus Berndshof zwei Knallgeräusche, die offenbar von Schüssen stammten. Verletzt wurde niemand, doch die Polizei ermittelt wegen versuchten Totschlags und prüft einen möglichen politischen Hintergrund. Ebenfalls am Rand einer Wahlkampfveranstaltung wurde die Seitenscheibe eines Streifenwagens mit einem Stein eingeworfen, während zwei Polizisten im Auto saßen. Sie blieben unverletzt, konnten den Täter jedoch nicht stellen. Ob dieser Vorfall direkt mit dem Wahlkampf zusammenhängt, ist noch unklar.
Historische Fälle politischer Auseinandersetzungen
Die aktuellen Vorfälle reihen sich in eine lange Liste politischer Konflikte in Ueckermünde ein. Einer der folgenreichsten Fälle der vergangenen Jahre betraf den früheren Bürgermeisters Gerd Walther (parteilos). Nach seiner öffentlichen Drogenbeichte und weiteren Vorfällen wurde er zunächst freigestellt und später aus dem Amt gedrängt. Ein strafrechtliches Verfahren wegen einer Drogenfahrt führte 2019 zu einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von 2000 Euro. Dieser Fall beschäftigte Politik und Öffentlichkeit über längere Zeit.
Ebenfalls 2019 sorgte ein Streit um Wahlplakate für Aufsehen. Martin Kühnl-Mossner vom Bündnis „Für-Ue.de“ soll einen Mitarbeiter der Stadt angegriffen haben, als dieser unerlaubte Plakate abnahm. Der Mitarbeiter erstattete Anzeige wegen tätlichen Angriffs, während Kühnl-Mossner später von einer Entschuldigung sprach. Das Verwaltungsgericht Greifswald erklärte die Allgemeinverfügung der Stadt zur Wahlwerbung in wesentlichen Punkten für unwirksam. Kühnl-Mossner kandidiert inzwischen selbst als Bürgermeister.
Weitere Ermittlungen und Verurteilungen
Ein weiterer Fall betraf den damaligen Vize-Bürgermeister der Stadt. Gegen ihn wurde im Zusammenhang mit einem Nachbarschaftsstreit wegen Bedrohung und eines möglichen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Die Vorwürfe lauteten auf Morddrohungen und das Abfeuern einer Waffe in die Luft, was er zurückwies und später als Rufmord bezeichnete. Im Jahr 2024 wurde er zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 95 Euro, insgesamt 1425 Euro, verurteilt.
Diese Serie von Vorfällen zeigt eine politisch aufgeheizte Atmosphäre in Ueckermünde, die den Bürgermeisterwahlkampf erheblich belastet. Die Polizei ermittelt in mehreren Fällen, während die Öffentlichkeit besorgt auf die Entwicklungen blickt.



