Grischow investiert trotz Haushaltslücke in Dorfbild: 200 Jahre alte Mauer wird erhalten
Grischow erhält historische Mauer trotz Haushaltslücke

Grischow setzt trotz finanzieller Herausforderungen auf Dorfcharakter

Die kleinste Gemeinde im Amtsbereich Treptower Tollensewinkel steht vor haushaltspolitischen Entscheidungen, die weit über reine Pflichtaufgaben hinausgehen. Mit nur 239 Einwohnern ringt Grischow um Spielräume im Budget, doch Bürgermeister Harms Frese betont: "Irgendwo muss man als Bürgermeister auch etwas für die Gemeinde tun und nicht nur die Pflichtaufgaben erfüllen."

Haushaltssituation mit Licht und Schatten

Der Haushaltsentwurf für 2026 umfasst 42 Seiten und zeigt eine Gemeinde ohne Schulden pro Einwohner. Die Hebesätze liegen knapp 50 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Dennoch klafft eine Finanzlücke von 94.000 Euro zwischen den erwarteten Einnahmen von 409.800 Euro und den geplanten Ausgaben von 515.655 Euro. Belastend wirken insbesondere die Umlagen: 26.000 Euro Schulumlage für 20 Schüler, 56.225 Euro Amtsumlage und 138.610 Euro Kreisumlage summieren sich zu erheblichen finanziellen Verpflichtungen.

Historische Feldsteinmauer wird für 10.000 Euro saniert

Ein besonderes Versprechen gibt Bürgermeister Frese bezüglich der über 200 Jahre alten Feldsteinmauer am Spielplatz ab. Trotz bröckelnder Stellen in einzelnen Bereichen lehnt er einen Abriss kategorisch ab. "Diese Mauer werden wir mit Sicherheit erhalten, auch wenn die Reparatur etwa 10.000 Euro kostet", versichert Frese. Die Mauer schützt den einzigen Spielplatz im Amtsbereich, der durch eine Steinmauer gesichert ist, und verleiht dem Ort laut dem Bürgermeister wesentlich mehr Charakter als ein Metallzaun.

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Schlauchturm als Wahrzeichen wird erneuert

Ein zweites historisches Element des Dorfbildes ist der über 100 Jahre alte Schlauchturm. Obwohl die Feuerwehr Grischow sich 2014 aufgelöst hat und der Turm nicht mehr genutzt wird, plant die Gemeinde seine Erhaltung. Alle alten Bretter sollen durch witterungsbeständiges Lärchenholz ersetzt werden, was Investitionen von 15.000 Euro erfordert. Für die Gemeindevertretung stellt dies gut investiertes Geld in das unverwechselbare Ortsbild dar.

Weitere Investitionen in Gemeinschaft und Sicherheit

Neben den historischen Bauwerken plant Grischow weitere Ausgaben für die Dorfgemeinschaft:

  • Dorfveranstaltungen: Für Osterfeuer, Sportfest und Sommerfest sind insgesamt 10.000 Euro eingeplant. Diese Feste fördern nach Ansicht des Bürgermeisters den sozialen Zusammenhalt.
  • Bürgersteigverlängerung: Ein neuer Gehweg zum Ortsausgang Richtung Werder soll für etwa 20.000 Euro realisiert werden, um insbesondere Schulkindern einen sicheren Weg zu ermöglichen.

Skepsis gegenüber Bundesmitteln

Bürgermeister Frese äußert sich zurückhaltend zu den angekündigten Bundesmitteln aus dem Sondervermögen in Höhe einer halben Billion Euro. Obwohl ursprünglich von 50.000 Euro pro Kommune die Rede war, zweifelt er an der praktischen Umsetzung: "Mal sehen, ob da Geld für uns ankommt und dann wofür." Die Gemeinde setzt daher vorerst auf eigene Planungssicherheit.

Trotz der finanziellen Herausforderungen zeigt Grischow mit diesen Investitionen, dass die Bewahrung des historischen Charakters und die Förderung der Dorfgemeinschaft für die kleine Gemeinde Priorität haben. Die Entscheidungen spiegeln einen bewussten Balanceakt zwischen notwendiger Haushaltsdisziplin und der Wahrung lokaler Identität wider.

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