Güstrow im Finanzspagat: Große Investitionen trotz knapper Kassen
Die Stadtvertreter der Barlachstadt Güstrow kamen am Donnerstagabend im Bürgerhaus zusammen, um über den neuen Haushaltsentwurf zu beraten. Hanni Böttcher, Chefin des Finanzausschusses, bekannte, dass der 324-seitige Finanzplan für die kommenden beiden Jahre sie "tief bewegt" habe. Die CDU-Politikerin lobte den gelungenen Spagat zwischen finanzieller Disziplin und der Notwendigkeit nachhaltiger Investitionen.
Herausfordernde finanzielle Lage
Bürgermeister Sascha Zimmermann warnte vor den finanziellen Herausforderungen: "Wir müssen nicht die rote Flagge zeigen, aber vorsichtig verfahren und die Fahrt deutlich verlangsamen." Zwar verfügt Güstrow über buchhalterische Rücklagen von insgesamt 26 Millionen Euro, doch diese könnten schnell aufgebraucht sein. Der Doppelhaushalt weist Aufwendungen von 63,7 Millionen Euro gegenüber Erträgen von 57,6 Millionen Euro auf, wobei neun Millionen Euro auf dem Konto liegen.
Die Inflation, hohe Sozialkosten und eine schwache Wirtschaft lassen die Liquidität "in kürzester Zeit atemberaubend dahinschmelzen", wie Böttcher betonte. Geld aus dem Sondervermögen des Bundes entlaste die Stadt zwar spürbar, sei aber "nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein".
Steigende Kosten und notwendige Maßnahmen
Zimmermann verwies auf deutlich gestiegene Ausgabenposten: Die Kita-Kosten haben sich von 3,2 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 6,5 Millionen Euro im Jahr 2026 verdoppelt. Zudem stieg die Kreisumlage von 16,9 auf 17,4 Millionen Euro. "Wir werden Umbuchungen vernehmen müssen, weitere Förderung beanspruchen und möglicherweise Kredite aufnehmen müssen", kündigte der Bürgermeister an. Gleichzeitig betonte er: "Und wir werden nicht ausgeben, was wir nicht auch sicher einnehmen können."
Grund- oder Gewerbesteuern sollen nicht weiter erhöht werden, und zusätzliche Stellen werden nicht geschaffen. Dennoch hält die Stadt an notwendigen Investitionen fest.
Millionschwere Investitionen in die Zukunft
Drei Millionen Euro fließen jeweils in die Wossidlo-Schule und die Schule am Inselsee. Für Kitas und Spielplätze stehen 600.000 Euro bereit. Der geplante Erweiterungsbau der "Grundschule an der Nebel" in Höhe von acht Millionen Euro sei angesichts des zu erwartenden Geburtenknicks hingegen nicht zwingend notwendig.
Weitere wesentliche Ausgaben umfassen 700.000 Euro für die Umweltbildung im Wildpark. Mithilfe von Fördermitteln schafft sich die Stadt zehn Sirenen an. Dank Städtebauförderung und Eigenmitteln wird im Frühjahr der Markt fertiggestellt, die Sanierung des Franz-Parr-Platzes soll 2027 beginnen. Für die Vorbereitung der 800-Jahr-Feier im Jahr 2028 gibt es in beiden Jahren jeweils 70.000 Euro.
Freiwillige Leistungen werden beibehalten
Trotz der herausfordernden Lage ist Bürgermeister Zimmermann froh, weiterhin freiwillige Leistungen erfüllen zu können: 72.000 Euro für das Ernst-Barlach-Theater und 70.000 Euro jährlich für die Barlach-Stiftung. Weitere Gelder fließen in die Bibliotheken, Museen und Jugendklubs der Stadt. "Ich finde, das ist richtig gut angelegtes Geld", betonte er.
Kritik und weitere Verfahren
Hans-Georg Kleinschmidt von der SPD kritisierte, dass die Diskussionen bedauerlich spät geführt würden und sprach sogar von einem Fehlstart. "Ich hoffe nur, dass die nächsten Wochen sehr intensiv gearbeitet wird, sodass wir den Haushalt möglichst schnell genehmigungsfähig machen."
Die Vorschläge werden nun in den Fach-Ausschüssen diskutiert. Bis zur nächsten Sitzung am 8. April sollen entsprechende Anpassungen im Haushaltsentwurf vorgenommen werden. Die Stadt Güstrow beweist damit, dass auch in finanziell angespannten Zeiten wichtige Investitionen in die Zukunft möglich sind, wenn mit Bedacht und Weitsicht geplant wird.



