Jugendliche fordern Gehör bei Bürgermeisterwahl in Anklam
Die Zukunft der Stadt gestalten – dieses Anliegen stand im Mittelpunkt einer besonderen Podiumsdiskussion im Anklamer Theater. Das dortige Jugendparlament hatte die beiden Bürgermeisterkandidaten Michael Galander (IfA) und Dr. Jörg Valentin (AfD) eingeladen, um mit ihnen über die Belange der jungen Generation zu sprechen. Rund 30 Jugendliche nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an die Politiker zu richten.
Erstmals Wahlrecht ab 16 Jahren
Besondere Bedeutung erhält die Veranstaltung durch die Tatsache, dass bei der anstehenden Bürgermeisterwahl am 12. April erstmals auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben dürfen. Für viele junge Anklamer wird dies der erste Wahlgang ihres Lebens werden, wie Elisabeth Schmidt, Vorsitzende des Jugendparlaments und eine der Moderatorinnen der Diskussion, betonte. Die Wahl sei bereits jetzt ein intensiv diskutiertes Thema in den Freundeskreisen der Schülerinnen und Schüler.
Konkrete Forderungen und realistische Einschätzungen
In drei thematischen Blöcken stellten die Jugendlichen ihre Fragen zu Schule, Nahverkehr und Freizeiteinrichtungen. Während Kandidat Valentin durchgängig auf sein Konzept verwies, die Meinung der Bürgerinnen und Bürger stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, verwies Amtsinhaber Galander auf seine 24-jährige Erfahrung und bereits Erreichtes für die Stadt.
Allerdings machte Bürgermeister Galander auch deutlich, dass nicht alle Wünsche der Jugendlichen umsetzbar seien. Ein attraktiver Nahverkehr mit besonderem Fokus auf junge Menschen, Shoppingangebote großer Modeketten oder eine Flussbadeanstalt stünden aus verschiedenen Gründen vor erheblichen Hürden. Rechtliche Bedenken und praktische Umsetzbarkeit spielten hier eine entscheidende Rolle.
Überraschende Erkenntnisse und neue Perspektiven
Eine interessante Erkenntnis für den langjährigen Bürgermeister war die Bedeutung des Lilienthalcenters als Aufenthaltsort für Jugendliche. „Wie wichtig dieser Ort für junge Menschen ist, war mir bislang nicht in diesem Maße bewusst“, räumte Galander ein. Beide Kandidaten zeigten sich offen für die Schaffung eines Begegnungsraums, wiesen jedoch darauf hin, dass dies mit dem Gebäudebesitzer abgestimmt werden müsse.
Die Realisierung eines offenen Jugendtreffs, wie von vielen Jugendlichen gewünscht, stellte sich ebenfalls als komplexe Herausforderung dar. Galander betonte, dass solche Projekte für die Stadt nicht leicht umzusetzen seien, was die Diskussion um praktische Lösungsansätze weiter anheizte.
Erfolgreiche Premiere der Jugendbeteiligung
Für das Jugendparlament markierte die Veranstaltung eine erfolgreiche Premiere. Elisabeth Schmidt zeigte sich nach anfänglicher Aufregung zufrieden mit der Beteiligung: „Mehr wäre immer schön, aber die Resonanz ist ein Erfolg für unsere erste derartige Veranstaltung“. Die Aussagen beider Kandidaten empfand sie als aufschlussreich und hilfreich für die politische Meinungsbildung der Jugendlichen.
Die Diskussion im Theater hat gezeigt, dass die Jugend Anklams ihre Stimme erheben will und konkrete Vorstellungen von der Zukunft ihrer Stadt hat. Ob ihre Anliegen in der kommenden Amtszeit Gehör finden werden, bleibt abzuwarten – doch der Dialog hat begonnen.



