SPD-Chef Klingbeil verteidigt Münchens OB Reiter in der Posten-Affäre beim FC Bayern
Klingbeil verteidigt OB Reiter in FC Bayern-Affäre

SPD-Spitze springt Münchens Oberbürgermeister in der FC Bayern-Affäre bei

Im Vorfeld der entscheidenden Stichwahl um das Münchner Oberbürgermeisteramt hat sich Bundesfinanzminister und SPD-Parteivorsitzender Lars Klingbeil deutlich hinter den amtierenden Rathauschef Dieter Reiter gestellt. In einem Interview mit der Welt am Sonntag verteidigte Klingbeil den SPD-Politiker, der wegen seiner Nebentätigkeiten beim FC Bayern München in die Kritik geraten war.

Klingbeil lobt Reiters "klare und transparente Entscheidung"

Der SPD-Chef zeigte sich überzeugt von Reiters Reaktion auf die aufkommende Kontroverse. "Dieter Reiter hat mit dem sofortigen Verzicht auf sein Aufsichtsratsmandat sowie den Vorsitz im Verwaltungsbeirat des Vereins eine klare und transparente Entscheidung getroffen", erklärte Klingbeil in dem Gespräch. Damit reagierte er auf die Debatte, die im Kommunalwahlkampf entbrannt war, nachdem bekannt geworden war, dass Reiter seine jährliche Vergütung von rund 20.000 Euro für die Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern nicht wie vorgeschrieben beim Stadtrat angegeben hatte.

Klingbeil bezeichnete Reiter dennoch als "hervorragenden Oberbürgermeister für die Stadt München und ihre Bürgerinnen und Bürger" und äußerte die Zuversicht, dass sich der Amtsinhaber in der anstehenden Stichwahl gegen seinen grünen Herausforderer Dominik Krause durchsetzen werde.

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Reiters vollständiger Rückzug und Spendeninitiative

Bereits zuvor hatte Dieter Reiter umfassende Konsequenzen aus der Affäre gezogen. Der Oberbürgermeister kündigte an, sowohl sein Aufsichtsratsmandat als auch den Vorsitz im Verwaltungsbeirat des FC Bayern mit sofortiger Wirkung niederzulegen. In einer ausführlichen Erklärung begründete er diesen Schritt damit, dass für ihn "das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner über allem" stehe.

Reiter teilte zudem mit, dass er die gesamten Bezüge aus seiner Tätigkeit beim Fußballverein – insgesamt 90.000 Euro seit dem Jahr 2021 – an soziale Projekte spenden werde. Das Geld soll dem Projekt Mini München und dem Verein "Bunt kickt gut" zugutekommen. "Beides sind Projekte, die für die Förderung von Zusammenhalt, Integration und Demokratie stehen", betonte der Oberbürgermeister in seiner Stellungnahme.

Wahlkampfauswirkungen und politische Reaktionen

Die Affäre hatte sich bereits im ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl deutlich bemerkbar gemacht. Während Reiter in Prognosen noch bei etwa 45 Prozent gelegen hatte, erreichte er tatsächlich nur 35,6 Prozent der Stimmen. Sein grüner Herausforderer Dominik Krause kam überraschend auf 29,5 Prozent und zog damit in die Stichwahl ein.

Die negativen Schlagzeilen rund um Reiters Nebentätigkeiten beim FC Bayern wurden als wesentlicher Grund für dieses Ergebnis angesehen. Medienberichte hatten enthüllt, dass Reiter nicht nur den Stadtrat hätte befassen müssen, bevor er in den Aufsichtsrat des FC Bayern gewählt wurde, sondern auch dass er Einkünfte aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsbeirat nicht genehmigen ließ.

Vor der Stichwahl kündigte Reiter an, den Münchnerinnen und Münchnern auf der Straße Rede und Antwort stehen zu wollen. Gleichzeitig sammelt das Rathaus weitere Informationen zu den FC Bayern-Mandaten, die in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung von Oberbayern beantwortet werden sollen.

Die Unterstützung durch die SPD-Bundesspitze unterstreicht die politische Bedeutung der Affäre in der heißen Phase des Münchner Wahlkampfs. Während Klingbeil Reiters Glaubwürdigkeit betont, bleibt abzuwarten, wie die Wählerinnen und Wähler auf die jüngsten Entwicklungen reagieren werden.

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