Müllcontainerstreit in Wittenburg spitzt sich zu
Der langjährige Konflikt um die Unterbringung von Müllcontainern am Wittenburger Markt erreicht einen neuen Höhepunkt. Am 25. März 2026 wird die Stadtvertretung erneut über eine mögliche Sondernutzung entscheiden müssen. Im Zentrum des Streits steht die Zahnarztpraxis im Mietshaus am Markt 10, deren Eigentümer Rainer Burke um den Erhalt des Standorts fürchtet.
Historische Hintergründe des Konflikts
Die Wurzeln des Problems reichen bis ins Jahr 2019 zurück. Damals ließ Burke das Gebäude barrierefrei umbauen, wobei der bisherige Innenhof mit einem Fahrstuhlschacht überbaut wurde. Dadurch fiel der ursprüngliche Platz für die Mülltonnen weg. Bereits zu diesem Zeitpunkt beantragte der Eigentümer eine Sondergenehmigung für eine Einfriedung im Fußgängerdurchgang zwischen Markt und Spiegelberg – ein Antrag, der von der Stadtverwaltung abgelehnt wurde.
Die damalige Bürgermeisterin Margret Seemann (SPD) begründete diese Entscheidung damit, dass es sich lediglich um Hausmülltonnen eines normalen Mietshauses handelte. „Wir haben damals keinen Anlass gesehen, einen Hauseigentümer zu bevorzugen, denn dann hätten ja vielleicht auch andere ihre Mülltonnen vor dem Haus abstellen wollen“, erinnert sich Seemann.
Zahnarztpraxis verschärft die Situation
Die Vermietung eines Teils des Hauses an eine Zahnarztpraxis hat die Lage deutlich komplizierter gemacht. „Die Praxis hat rund zehntausend Patienten aus der gesamten Region, und ich fürchte, dass die Praxis schließen muss, wenn es keine Regelung für die Müllcontainer gibt“, erklärt Burke besorgt. Eine Zahnarztpraxis generiert deutlich mehr Abfall als ein normaler Haushalt, was die Unterbringungsfrage dringlicher macht.
Der aktuelle Bürgermeister Christian Greger (CDU) hält an der Ablehnung der Stadt fest. Neben dem Gleichbehandlungsargument verweist er auf sicherheitstechnische Bedenken: „Die Müllcontainer könnten den Durchgang so verengen, dass etwa ein Krankenwagen dort nicht mehr durchkommt“. Zudem handle es sich bei dem Durchgang um einen offiziellen Fluchtweg.
Kostspielige Alternativen und politische Unterstützung
Im Gespräch mit Bürgermeister Greger wurde dem Eigentümer eine versenkbare Lösung vorgeschlagen, bei der die Container unterirdisch untergebracht würden. Doch diese Option wäre finanziell kaum tragbar. „Das ist nicht finanzierbar“, stellt Burke klar, der mehrere hunderttausend Euro Kosten befürchtet.
Stattdessen wünscht er sich die Erlaubnis, die Müllbehälter in einer abschließbaren Einfassung im Durchgang aufstellen zu dürfen – eine Lösung, die ihm bereits vor einigen Jahren befristet genehmigt worden war. „Die Container sind genauso schmal wie die in dem Durchgang stehenden Stromverteilerkästen“, argumentiert Burke. „Die Durchfahrtsbreite beträgt auch mit den Müllcontainern mehr als vier Meter, da kommt auch ein Feuerwehrfahrzeug durch“.
Unterstützung erhält Burke mittlerweile von unerwarteter Seite: Die ehemalige Bürgermeisterin Margret Seemann hat ihre Position geändert. „Bei dem Ärztemangel in der Region sollten wir jeden Mediziner unterstützen, der in der Fläche eine Praxis betreibt“, erklärt die heutige Stadtvertreterin. Gemeinsam mit ihrer Fraktion hat sie einen Antrag gestellt, das Thema erneut im öffentlichen Teil der Stadtvertretersitzung zu diskutieren.
Entscheidungssitzung am 25. März
Die kommende Stadtvertretersitzung am 25. März könnte nun den Durchbruch bringen. Sollten die Stadtvertreter eine Änderung der Sondernutzungssatzung beschließen, würde dies die rechtliche Grundlage für eine Ausnahmegenehmigung schaffen. Für Rainer Burke geht es dabei um mehr als nur um Müllcontainer: „Offensichtlich ist es der Stadtverwaltung egal, ob die Stadt eine Zahnarztpraxis hat“, kritisiert der Eigentümer.
Die Entscheidung der Stadtvertreter wird nicht nur über die Zukunft der Zahnarztpraxis entscheiden, sondern auch ein Signal für den Umgang mit ähnlichen Konflikten in der Stadt setzen. Der Müllcontainerstreit in Wittenburg zeigt exemplarisch die Spannungen zwischen individuellen Bedürfnissen von Gewerbetreibenden, städtebaulichen Vorgaben und kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen.



